Veröffentlicht am Donnerstag, 6. Dezember 2018

Abfallentsorgung auf hohem Niveau

Einblicke in die Müllverbrennungsanlage Ingolstadt

Was passiert eigentlich mit dem Restmüll aus unserer Mülltonne? Er wird von der Müllabfuhr abgeholt. Und dann? Dann landet er in der Müllverbrennungsanlage (MVA) Ingolstadt. Was dort mit dem Müll passiert erklärten und zeigten die neue Geschäftsleiterin Irene Lindner, die zum 1. September die Geschicke übernommen hat, und der Technische Leiter Robert Meisner bei einer Presseführung durch die Anlage. "Bei meiner Vorstellung in der Stadtpressekonferenz kam mir die Idee die Presse doch auch einmal zu uns einzuladen", so Lindner.


(Quelle: Vanessa Rohner)

Die Anlage

Der Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt umfasst fünf Landkreise - Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen, Eichstätt, Kehlheim und Roth - sowie die Stadt Ingolstadt und erstreckt sich über 1.319 Quadratkilometer mit rund 606.000 Einwohnern. Gegründet wurde er 1975, in einer Zeit als die Müllsituation recht angespannt war. Der Zweckverband betreibt in Ingolstadt-Mailing ein modernes thermisches Müllheizkraftwerk mit drei Verbrennungslinien und vier Deponien - Eberstetten I und II, Starkertshofen und Großmehring - von denen bis auf Eberstetten II alle bereits vollständig verfüllt, abgedichtet und rekultiviert sind. In Eberstetten I wird seit 2014 eine Photovoltaikanlage betrieben. Jährlich werden hieraus 1.080.000 kW/h eingespeist - so werden der Region jährlich knapp 1.000 Tonnen CO2 erspart.

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120 Mitarbeiter sorgen im Drei-Schicht-Modell dafür, dass immer mindestens eine der drei Linien in Betrieb ist. Nur so können pro Jahr 240.000 Tonnen Abfall in rund 8.000 Stunden verwertet werden. Nur einmal im Jahr stehen für die Revision die Maschinen still - das Anheizen nach der Revision dauert ungefähr 14-15 Stunden, das Auskühlen vorher sogar über einen Tag. So bekommt man eine ganz gute Vorstellung, warum immer - 24 Stunden, sieben Tage die Woche, auch an Weihnachten - zumindest der Mindestbetrieb laufen muss. Um die Anlage zu betreiben bedarf es mindestens sechs, höchstens acht Mitarbeiter.

Im Falle eines Brandes zählt die erste Minute. Eine Infrarotkamera läuft 24 Stunden um alles zu überwachen. Sollte es dennoch zum Brand kommen, kann sofort per Knopfdruck und diversen Spritzeneinstellungen gelöscht werden. "Die Feuerwehr brauchen wir dann im besten Fall nur noch zur Nachsorge. Andernfalls handelt es sich um einen Großbrand", so Robert Meisner.

Anlieferungen und deren Verwertung

Die Anlieferungen setzen sich zusammen aus Hausmüll, energetischer/stofflicher Verwertung, Sperrmüll, Gewerbemüll, kommunalen Abfälle, Sickerwasserkonzentrat, Nachbarschaftshilfe und Entsorgungsverträgen. Hierdurch können Fernwärme und Strom erzeugt werden. So können 48.000 Einfamilienhäuser mit Fernwärme und 17.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Was natürlich eine ganz wichtige Rolle spielt ist ganz klar der Standortfaktor. Während früher viele Müllverbrennungsanlagen aus Angst mitten in den Wald gebaut wurden, ist die Ingolstädter MVA - ebenso wie die Gunvor Raffinerie, die ein weiterer Einspeiser ins System ist - nah an der "Zivilisation" gelegen und kann so die Region versorgen. Im Sommer kann die Fernwärme auch dazu genutzt werden, Räume angenehm kühl zu halten. So können herkömmliche Klimaanlagen mit hohem Stromverbrauch ersetzt werden.

Entsorgung

In der MVA Ingolstadt findet sich nur hochwertige Technik, weswegen die Entsorgung anfangs relativ hohe Gebühren nach sich zog (260 Euro pro Tonne). Mittlerweile (seit 2012) ist die Anlage schuldenfrei und konnte nach und nach mit dem Preis heruntergehen. Jetzt liegt man hier bei 95 Euro die Tonne. "Was wir hier leisten ist Abfallentsorgung auf hohem Niveau mit großem Umweltstandard", betont Irene Lindner. Sämtliche Vorgänge und Werte müssen jederzeit transparent sein und liegen größtenteils weit unter dem vorgegebenen Grenzwert.

Ablauf der Verwertung

1. Anlieferung: täglich werden rund 900 bis 950 Tonnen Müll angeliefert.

2. Müllbunker: Der Müll wird dann in den Müllbunker gekippt, der unter leichten Unterdruck steht, um einen Geruchsaustritt zu verhindern. Die hierbei abgesaugte Luft wird dann dem Verbrennungsprozess zugeführt.

3. Rückschubrost: In einer langsamen und gleichmäßigen Misch- und Wälzbewegung der Brennschicht zum Rostende hin verbrennt der Abfall zu einer minderalischen Schlacke ohne organische Bestandteile.

4. Feuerraum: Bereits am Rostanfang beginnt der Müll intensiv zu brennen und es entwickelt sich eine Brennschicht mit Temperaturen über 1.000 Grad.

5. Dampfkessel & Generator: Die anfallende Wärme wird genutzt, um Energie und Fernwärme zu erzeugen.

6. Zentrale Mess- und Schaltwerte: Alle Prozesse in der MVA werden ständig überwacht und gesteuert. Niederschlagswasser und betriebliche Abwässer aus der Reinigung werden gesammelt und für technische Zwecke mehrfach genutzt.

7. Gewebefilter: Gewebefilter werden mit Braunkohlekoks und Kalkhydrat beaufschlagt. Dabei werden zunächst die Stäube mit den dort anhaftenden Dioxinen und Furanen, sowie ein Großteil der problematischen Schwermetalle abgeschieden.

8. Wäscher: Im dreistufigen Gegenstromwäscher werden hauptsächlich die sauren Schadgase und elementares Quecksilber sowie die Aerosole ausgewaschen bzw. abgeschieden (saure und basische Wäsche).

9. DeNOx-Katalysator: Die umweltbelastenden Stickoxide, die in aufgeheizten Raugasen noch enthalten sind, werden im DeNOx-Katalysator unter Zugabe von Ammoniakwasserdampf zerstört. Es erfolgt eine katalytische Aufspaltung in umweltneutralen elementaren Stickstoff und Wasserdampf.


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