Veröffentlicht am Mittwoch, 31. Oktober 2018

Wo darf noch gebaut werden?

Rätselraten um sogenannten zweiten Grünring: Stadträte fordern eine genauere Definition

22 Jahre ist es her, dass der Flächennutzungsplan für die Stadt Ingolstadt aufgestellt wurde. In diesem wichtigen Instrument für die Stadtplanung ist auch festgehalten, wo die sogenannten Grünringe verlaufen, die möglichst grün bleiben und von Wohnbebauung freigehalten werden sollen.


<p>Wäre der zweite Grünring doch nur so deutlich zu erkennen wie der erste, das Glacis, dann hätten die Stadtplaner es wohl deutlich leichter, neue Wohngebiete zu erschließen.</p>

Wäre der zweite Grünring doch nur so deutlich zu erkennen wie der erste, das Glacis, dann hätten die Stadtplaner es wohl deutlich leichter, neue Wohngebiete zu erschließen.

(Quelle: Stadt Ingolstadt / Schalles)

Anders als der erste Grünring, das Glacis, wurde der zweite Grünring nie klar definiert. Laut Angaben der Stadtverwaltung folgt er in etwa dem Verlauf der ehemaligen Vorwerke (Festungsbauten aus dem 19. Jhd.) und erstreckt sich ungefähr in einer Entfernung von zwei bis drei Kilometern zum Zentrum der Altstadt.

Um mehr Klarheit über potenzielle Bauflächen zu erhalten, ist es jetzt an der Zeit, dass die Stadt einen neuen Flächennutzungsplan erarbeitet. Und mit ihm eine genauere Definition des zweiten Grünrings. Dieser Wunsch wurde in der vergangenen Stadtratssitzung mehrfach laut, als über das geplante Neubaugebiet in Unsernherrn-Nord gesprochen wurde. Dort sollen östlich des Sportheims TSV Unsernherrn 120 Wohneinheiten für ca. 300 Menschen entstehen. Da jedoch nicht klar ersichtlich ist, ob die geplanten Wohngebäude den Grünring tangieren und keine genau Definition desselben vorliegt, stimmte die ÖDP schon im Stadtentwicklungsausschuss gegen den Plan.

Im Stadtrat musste das Fass wieder aufgemacht werden. Denn am Tag vor der Sitzung hatte ein Bündnis aus Grünen, ÖDP, Linkspartei, BGI und dem SPD-Ortsverein Süd eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt: "Wenn wie im Bereich des TSV Unsernherrn knapp 300 Menschen 57.400 Quadratmeter Ackerland besiedeln sollen, kann von Flächensparen keine Rede sein! Stattdessen ignoriert die Stadt Ingolstadt konsequent den Appell der Landesregierung, die sich der bedrohlichen Wohnraumfrage - verbunden mit dem naturzerstörenden Flächenfraß - mittlerweile bewusst ist! Wir fordern, dass der Grünzug des Zweiten Grünrings, der Unsernherrn-Nord einzuschließen scheint, kartografisch exakt definiert wird!"

Hans Achhammer (CSU) dröselte die Problemlage auf. "Es war nicht einfach, diesen Bebauungsplan zu entwickeln", sagte er. Gerade auf landwirtschaftlichen Flächen sei es schwierig, den Verlauf des Grünrings exakt festzustellen. Das Landschaftsarchitekturbüro Weinzierl habe im Auftrag der Stadt gründlich untersucht, welche Gebiete im Grünring liegen und sei zu dem Entschluss gekommen, dass dort in Unsernherrn gebaut werden könne.

"Das ist ein typisches Beispiel für den Konflikt zwischen dem Erhalt der Natur und dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum", so Schuhmann. In diesem konkreten Fall halte er es aber nach reiflicher Überlegung für vertretbar, die landwirtschaftlichen Flächen zu bebauen.

Vorschlag des Oberbürgermeisters: "Wir sollten uns wirklich mal zusammensetzen und schauen, was wir mit dem Grünring machen können." Auch er sehe den Bedarf eines neuen Flächennutzungsplans. Eine Nachhaltigkeitsvorlage sei bereits in Arbeit, am Ende soll ein neuer überarbeiteter Flächennutzungsplan dabei herauskommen.

Thomas Thöne (ÖDP) verteidigte weiter die Position seiner Partei. "Wir müssen den Grünring jetzt schützen, sonst bleibt bald nichts mehr übrig, was geschützt werden kann!", lautete sein eindringlicher Appell. Am Ende ging der Bebauungsplan zwar durch, aber mit 13 Gegenstimmen. Neben der ÖDP-Fraktion stimmten die Grünen und die BGI sowie ein Teil der SPD dagegen.


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