Veröffentlicht am Freitag, 26. Oktober 2018

Deutliche Worte gegen E-Mobilität

Nur eine Übergangstechnologie? In der letzten Sitzung des Stadtrats wurde klare Kritik am Elektromotor geübt

Bis zum Punkt 12 der Tagesordnung ging es in der Stadtratssitzung am Donnerstag noch vergleichsweise gesittet zu. Dann kam die Rede auf den Wirtschaftsplan der INVG. Mit 12 Millionen Euro Steuergeldern muss die Ingolstädter Verkehrsgesellschaft pro Jahr bezuschusst werden, damit das Defizit ausgeglichen werden kann. Im Laufe der Diskussion wurde schnell wieder die Forderung der BGI laut, mehr Elektrobusse im Stadtgebiet, vor allem auf der Nord-Süd-Achse einzusetzen. Daraus entwickelte sich eine Grundsatzdiskussion über E-Mobilität und ob diese Technologie wirklich zukunftstauglich ist.


<p>Symbolbild: Elektroauto an der Ladestation</p>

Symbolbild: Elektroauto an der Ladestation

(Quelle: Adobe Stock / elektronik-zeit)

Gespannt warteten die Stadträte auf den Redebeitrag Jörg Schlagbauers (SPD), der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und IG-Metall-Chef bei Audi besonders nah an dem Thema dran ist. Die Ernüchterung folgte mit klaren Worten. "Die E-Mobilität ist meiner Meinung nach nicht mehr als eine Übergangstechnologie", sagte Schlagbauer bestimmt. "Die aber dazu führt, dass sich die Automobilindustrie mehr mit alternativen Antrieben auseinandersetzt. Wir werden andere Technologien erleben, die viel zukunftsfähiger sind", so Schlagbauer weiter. Er plädierte dafür, der Autoindustrie Zeit zu lassen und die Politik gleichzeitig zur Vernunft aufzurufen. Damit meinte er konkret die Vorgaben der EU, die seiner Ansicht nach nicht zu erfüllen sind. "Irgendwann wird es da auch um Arbeitsplätze gehen. Aber Audi ist davon noch weit entfernt", versicherte Schlagbauer mit Blick auf alle, die sich in der Autostadt Sorgen um ihre Zukunft machen.

Bürgermeister Albert Wittmann pflichtete Schlagbauer bei. Von Wittmann, der sich auch in vergangenen Sitzungen schon öffentlich Sorgen um Audis Zukunft gemacht hatte, stand besonders der wirtschaftliche Faktor im Vordergrund. "Der VW-Konzern verdient an der Elektromobilität nichts, sie ist völlig unwirtschaftlich. Die Automobilindustrie ächzt unter den Vorgaben der EU. Wie soll der VW-Konzern in Zukunft die hohen Löhne bezahlen, wenn er am Auto nichts mehr verdient? Wir haben in dieser Stadt jahrzehntelang sehr gut an der Autoindustrie verdient. Und wir sollten aufhören, das Automobil zu verteufeln. Das Dieselfahrzeug ist ein umweltfreundliches Fahrzeug. Deshalb brauchen wir keinen Ersatz durch Elektrobusse, die völlig unwirtschaftlich sind."

Oberbürgermeister Christian Lösel stimmte mit ein: "Der Bau der Batterien für Elektrofahrzeuge führt zu derartigen Umweltverschmutzungen, dass die Umweltbilanz insgesamt negativ ausfällt." Auch Kinderarbeit sei in Afrika für den Abbau von Kobalt, das für die Herstellung der Akkus verwendet wird, an der Tagesordnung.

Gerd Werding (UDI) verwies auf eine Rechnung, die seiner Meinung nach bisher fälschlicherweise noch nicht angestellt wurde. "Es geht nicht nur um die Werksverluste bei den Dieselautos. Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe schädigen die Gesundheit der Bevölkerung und über die Kosten, die daraus entstehen, wird man sich noch wundern", warnte Werding. 60.000 vorzeitige Todesfälle gebe es laut EU-Zahlen bereits jedes Jahr in Deutschland. Und 10.000 Kinder erkranken jedes Jahr frisch an chronischen Lungenerkrankungen. "Das bezahlen wir alle, die Arbeitsausfälle, die Therapien, über diese Kosten wird nie geredet!"


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