Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Oktober 2018

Clevere Ampeln, innovative Fluggeräte und authentische Türme

Die erste Sitzung des Planungsausschusses nach der Sommerpause behandelte ein erstaunlich breites Spektrum an Themen

Im Planungsausschuss, dessen Mitglieder am Mittwoch zum ersten Mal nach der Sommerpause wieder öffentlich zusammenkamen, gab es einiges zu bereden. Von der Rückbesinnung auf Vergangenes bis hin zu modernster Zukunftstechnologie war alles mit dabei. Das breite Themenfeld repräsentierte auf anschauliche Weise, was Ingolstadt bereits zu bieten hat und in Zukunft zu bieten haben könnte.


(Quelle: Stadt Ingolstadt)

Zurück zu den alten "100 Türmen"

Den stolzen Beinamen "hunderttürmige Stadt" trägt Ingolstadt schon seit der frühen Neuzeit. Wie die Türme der Stadtmauer früher genau ausgesehen haben, lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen. Aber so viel ist sicher: Sie ähnelten einander in ihrer Bauweise, bildeten gemeinsam ein erkennbares Kollektiv. Heute ist das nicht mehr überall der Fall. Die meisten Türme gehören Privatpersonen, die sich immer mehr Individualität wünschen: neue Dächer, Anbauten, neue Fassadenfarben. "Wenn wir so weiter machen, bleibt bald nichts mehr übrig von unserer alten Stadtmauer", beklagte sich Oberbürgermeister Christian Lösel im Gremium.

Um sich der historisch korrekten Version der Stadtmauer mit ihren Türmen wieder anzunähern, will die Stadt nun eine Gestaltungs- und Förderrichtlinie auf den Weg bringen. Bei Umbauarbeiten, die der Instandsetzung der Stadtmauer, der Instandsetzung und Wiederherstellung der Wehrtürme, dem Abbruch von Stadtmauer-Anbauten oder der Neugestaltung der Stadtmauervorbereiche dienen, sollen künftig bis zu zwei Drittel der Kosten von der Stadt übernommen werden. Ein Etat von 100 000 Euro steht dafür jedes Jahr zur Verfügung.

Flugtaxis: "Deutscher Ingenieursgeist"

So ganz können sich auch die Stadträte nicht vorstellen, was die Teilnahme Ingolstadts an der EU-Initiative "Urban Air Mobility" im Endeffekt für Ingolstadt bedeuten wird. SPD-Stadtrat Manfred Schuhmamn wollte von Oberbürgermeister Christian Lösel wissen, was die Vision hinter dem Projekt ist und auf welches Ziel man zusteuern will. Lösels Antwort: Es gehe vor allem darum, deutsche Ingenieurskunst und deren Errungenschaften in Deutschland zu behalten und sie hier voranzubringen und zu fördern, anstatt sie, wie es beispielsweise im Fall des Faxgeräts, der Videokassette und dem MP3-Player der Fall gewesen war, an das Ausland zu verlieren. "Hochtechnologie, die durch deutschen Ingenieursgeist entwickelt wurde, muss auch hier zur Anwendung kommen", lautete Lösels Maxime.

Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Drohnen in die Luft gehen. Für die Erforschung des Luftraums und seiner Mobilitätsmöglichkeiten gibt es ein Testfeld, das um die Stadt herum und bis nach Siegenburg führt. Zuletzt kamen am Montag rund 70 Projektpartner zusammen und besprachen die weitere Vorgehensweise im Flugtaxi-Projekt.

Schlaue Ampeln sprechen mit schlauen Autos

160 Ampeln gibt es im Stadtgebiet. 94 davon sind schon mit einem Zentralrechner verbunden. Die übrigen 66 sind an einen veralteten Rechner aus dem Jahr 1998 angeschlossen. Diese 66 Ampeln, die ohne zentrale Schnittstelle agieren, sollen nun schrittweise mit einer "Smart-City-Schnittstelle" aufgerüstet und ins Netz des zentralen Rechners integriert werden.

Die geplante Vernetzung aller Ampeln soll laut Lösel darüber hinaus auch ein Testfeld für die Autoindustrie werden. Ampeln, die mit Autos kommunizieren und so Staus verhindern und den Verkehr zügiger durch die Stadt lotsen, das ist die Vision, die der Stadtverwaltung vorschwebt. "Bisher schafft das noch keine Stadt", so Lösel. Einige Autos aus dem oberen Preissegment können schon mit der Verkehrsinfrastruktur, vor allem Ampeln, kommunizieren. Auch Audi arbeitet daran. Lösel zitierte einen Zeitungsartikel, in dem die Nutzen dieser Technologie aufgelistet wurden: "Rote Ampeln kosten Autofahrer Zeit, Nerven und Treibstoff", heißt es in dem Artikel. All das soll durch intelligente und mit den Autos vernetzte Ampeln obsolet werden.

Gegenwehr zu diesem Vorhaben kam von Seiten der Grünen und der ÖDP. Christoph Lauer (Grüne) hatte "noch sehr viele Fragezeichen". Und das obwohl oder vielleicht gerade weil er als Ingenieur mehr Fachwissen mitbringt als die meisten anderen Stadträte. Lauer störte sich daran, dass die Technik nur in Autos der gehobenen Preisklasse verbaut wird, der Großteil der Ingolstädter also gar keinen Nutzen von dem neuen Ampel-Auto-Kommunikationssystem haben wird. FW-Stadtrat Hans Stachel versicherte, dass nur 20 Prozent der Autos mit der nötigen Technik ausgestattet sein müssten, damit das System funktioniert, die restlichen Fahrzeuge würden dann auch davon profitieren. Darüber hinaus sei in vielen Audi-Fahrzeugen die erforderliche Software schon eingebaut, sie müsste nur noch aktiviert werden, und das könnte laut Stachel über Nacht geschehen.

In die selbe Kerbe wie Lauer schlug auch ÖDP-Stadtrat Raimund Köstler. Er könne dem Antrag nur zustimmen, wenn alle Bürger mitgenommen werden. Darüber hinaus wünschte er sich, dass man die Daten, die bei einer solchen Vollvernetzung zwangsläufig angesammelt würden, nicht einfach so zu verschenken. Denn: "Daten sind in der Zukunft eine Währung", machte IT-Architekt Köstler klar. Lösels Antwort: Open Data sei der Trend, auf den man sich zubewege. Und Stadtbaurätin Preßlein-Lehle ergänzte, dass die Maßnahmen nicht nur zum Vorteil von Audi sein sollen, sondern zum Beispiel auch Start-ups von der vernetzten Verkehrsinfrastruktur profitieren sollen.


Anzeige