Veröffentlicht am Mittwoch, 5. September 2018

Steinberger: Werde nicht zurücktreten!

Nach dem ersten Saisonsieg hofft Andy Steinberger, der Trainer des FC Gerolfing, auf die Wende

Herr Steinberger, wie froh und gleichzeitig überrascht sind Sie, dass Sie nach dem Fehlstart mit drei Niederlagen zu Saisonbeginn noch auf der Trainerbank beim FC Gerolfing sitzen dürfen?

Andy Steinberger (29): Wir sind beim FC Gerolfing. Hier sind die Erwartungshaltungen naturgemäß etwas höher als bei anderen Vereinen, daher scheint die Frage nachvollziehbar (schmunzelt). Da wird auch oft mehr hinein interpretiert, das sieht man ja auch beim FC 04 Ingolstadt. Bisher arbeiten die wichtigen Personen innerhalb des Vereins gut zusammen und auch die Zusammenarbeit mit dem Trainer der U23 Zoran Bujic funktioniert gut.


<p>Krisengebeutelt: Andy Steinberger steht als Trainer des FC Gerolfing nach drei Pleiten zu Beginn gewaltig unter Druck.</p>

Krisengebeutelt: Andy Steinberger steht als Trainer des FC Gerolfing nach drei Pleiten zu Beginn gewaltig unter Druck.

(Quelle: Jürgen Schuhmann Archivfoto)

Mir war jedoch klar, dass der Saisonstart alles andere als einfach sein wird, weil wir vorne drin noch immer dasselbe Problem hatten, das uns auch schon in der abgelaufenen Spielzeit zu schaffen gemacht hat: die Chancenverwertung. Natürlich haben wir aber nicht damit gerechnet, mit drei Niederlagen zu starten. Dementsprechend war das für uns natürlich ein absolut misslungener Start, worüber ich mir natürlich meine Gedanken gemacht habe. Umso wichtiger war es nun aber, dass die Mannschaft mit dem Sieg über Türkisch eine so starke Reaktion gezeigt hat. Das war ein wichtiger Schritt.

Sie sitzen also nun wieder fest im Sattel?

Wie bereits angedeutet: Der FC Gerolfing ist ein heißes Pflaster, natürlich ist hier also niemand mit dem Saisonstart zufrieden. Die nächsten Spiele und vor allem Ergebnisse werden also vermutlich zeigen, wohin der Weg geht - auch mein persönlicher. In der Vergangenheit war es in Gerolfing jedenfalls häufig so, dass der Trainer in Krisensituationen schnell ausgetauscht wurde. Außerdem hat das Gerolfinger Umfeld noch immer mit dem Gedanken, jetzt in der Kreisliga zu spielen, zu kämpfen, in den Köpfen vieler ist der FC Gerolfing nach wie vor ein Landesligist und dementsprechend ist das Anspruchsdenken. Das führt zu einer aktuellen Grund-Unzufriedenheit. Wenn dann auch noch in der Kreisliga die gewünschten Ergebnisse ausbleiben, wird die Stimmung nicht zwingend besser. Dementsprechend könnte es natürlich sein, dass die Abteilungsleitung demnächst zu dem Schluss kommt, dass ich nach sieben Jahren beim FCG nicht mehr der Richtige bin. Ich werde aber bis zum letzten Tag alles reinhauen, was ich habe.

Würden Sie es als ungerecht empfinden, nach all Ihren Verdiensten um den Verein, entlassen zu werden?

Dazu muss ich ein wenig ausholen, denn das ist immerhin schon mein siebtes Jahr als Trainer in Gerolfing, das fünfte im Herrenbereich. In dieser Zeit habe ich so einiges erlebt und auch geleistet: In meinem ersten Gerolfinger Jahr führte ich eine neu zusammengestellte U19 souverän zur Kreisliga-Meisterschaft. Nach zwei Jahren in der U19 wurde ich 2014 Trainer der U23. Wir hätten damals übrigens keine U19 mit dem Jahrgang stellen können und hätten U-17-Spieler hochziehen müssen. Das konnten wir umgehen, indem ich acht meiner ehemaligen Jugendspieler vom TSV Ingolstadt Nord zum FCG holte. Die U23 ist zwar nach einem lehrreichen Jahr von der Kreisliga in die Kreisklasse abgestiegen, im darauffolgenden Jahr haben wir dann aber mit einem Altersdurchschnitt von nur 21 Jahren den Aufstieg nur knapp verpasst.

2015 spielten wir erneut ganz vorne mit und wären tatsächlich noch fast aufgestiegen - und das, obwohl ich unserer damalige Bezirksliga-Mannschaft mit meinen besten fünf Spielern ausgeholfen hatte. Im Normalfall steigt eine Mannschaft in einer solchen Konstellation ab, wir wurden am Ende jedoch Fünfter! Dabei wären wir höchstwahrscheinlich noch weiter vorne gelandet, wenn ich nicht kurz vor dem Saisonende die erste Mannschaft übernommen und weitere Spieler nach oben geschoben hätte. In meinem ersten Bezirksliga-Spiel haben wir nach einer schier endlosen Sieglosserie den souveränen Meister SV Manching mit 2:1 zu Hause nieder gerungen. Das war der erste Derbysieg seit 13 Jahren für unseren FC Gerolfing! Für die U23 war ich übrigens weiterhin parallel als Trainer bei den Spielen mit dabei. Trotz des Abstiegs aus der Bezirksliga ist es mir dann gelungen, alle gewünschten Spieler zum Bleiben zu überreden und sogar noch echte Kracher wie beispielsweise Felix Winkelmeyr oder Stefan Huber zu holen.

Ich war für den Verein auch in den schwierigsten Zeiten meines Lebens da, so stand ich einmal an einem Sonntag als Trainer an der Seitenlinie, obwohl ich eigentlich über das Wochenende hinaus im Krankenhaus liegen sollte oder trainierte die Mannschaft nur einen Tag nach dem Verlust der wichtigsten Person meines Lebens. Dabei habe ich immer nur an den Verein, der mich gebraucht hat, gedacht. Man sieht also: Ich lebe und liebe diesen Sport. Mir ist jedoch auch klar, dass ich Ergebnisse liefern muss und der Verein Ziele verfolgt, was absolut verständlich ist. Ob es dann irgendwann ohne mich besser läuft, wird man sehen. Stand jetzt wird es wahrscheinlich mein letztes Jahr beim FCG sein.

An einen Rücktritt denken Sie aber nicht?

Solange die Mannschaft hinter mir steht, sehe ich keinen Grund hierzu - und noch steht sie hinter mir wie eine Wand. Das Team hat in einer absoluten Drucksituation beim Türkischen SV Ingolstadt gewonnen und eines seiner besten Spiele unter meiner Leitung abgeliefert, sowohl taktisch als auch spielerisch und vor allem kämpferisch. Das sagt für mich alles aus und ist Statement genug. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Könnte dieser Sieg nun die Wende gebracht haben?

Davon gehen wir fest aus! Beim Training am Dienstag stand gefühlt eine andere Mannschaft auf dem Platz als zuletzt. Das Grinsen kam zurück und sogar die Torschüsse gingen rein (lacht). Von unseren Schultern ist eine riesige Last abgefallen. Wir sind ja nicht mit der Ambition in die Saison gestartet, im Mittelfeld herumzukrebsen, sondern wir wollten oben mitspielen. Da kann dieser Sieg etwas ins Rollen bringen und uns wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Andererseits steht am Samstag gegen die DJK Ingolstadt wieder ein ganz schweres Spiel an, das erst einmal gewonnen werden muss. Wenn wir das schaffen sollten, bin ich absolut überzeugt: Der Bock ist umgestoßen!

Zuletzt haben Sie immer wieder die schlechte Chancenverwertung Ihres Teams bemängelt, aber liegt es denn wirklich nur hieran?

Zumindest ist das unser größtes Problem. Aber klar: Wir kassieren dann ja auch Gegentore. Das liegt auch daran, dass andere Mannschaften einen größeren Willen als wir haben, galliger sind. Das müssen wir uns ankreiden. Und dennoch bleibe ich dabei: Machen wir die Buden, sind wir ein Spitzenteam.

Heißt die Rettung nun Mario Pavic?

Jeder, der den Ingolstädter Fußball beobachtet, kennt Marios Torquote. Und dass Mario nach dem Ende seiner Sperre gleich das entscheidende Tor im Spiel gegen Türkisch schießt, spricht auch für sich beziehungsweise für ihn. Uns war klar, dass der Junge für uns sehr, sehr wichtig sein kann und auch wird. Trotzdem müssen wir da vorsichtig sein, denn wir können ihm nicht die alleinige Verantwortung zuschieben. Das wäre zu einfach und zu ausrechenbar. Wenn sich aber zwei Gegenspieler auf Mario konzentrieren - und das wird passieren -, öffnet das Räume für seine Mitspieler, die dann ihre Chance nutzen müssen. Dass Mario jetzt spielberechtigt ist, ist für uns also goldwert!

Welche Spieler müssen in dieser schwierigen Phase vorangehen?

Meine beiden Kapitäne Felix Winkelmeyr und Maximilian Huber sind meine rechte und linke Hand. Die beiden gehen, wie es sich gehört, immer voran. Marco Ernhofer hat eine tolle Entwicklung genommen und ist nun unumstrittenerer Führungsspieler. Diese drei Jungs übernehmen viel Verantwortung und müssen das auch.

Eine wichtige Rolle müsste natürlich auch unser spielender Co-Trainer Den Lovric übernehmen, der jedoch urlaubs- und arbeitsbedingt in den letzten Wochen leider oft fehlte. Seine Erfahrung in fittem Zustand wäre auf dem Platz natürlich sehr viel wert für das Team. Ich hoffe, dass man das bald sehen kann, dann werden wir viel stabiler sein. Es gibt noch weitere Spieler, die sich mit starken Leistungen zu solchen Führungsspielern entwickeln können. Das ist ein Prozess, der dieses Jahr passieren muss, um erfolgreich zu sein, denn im letzten Jahr haben sich alle hinter den jetzigen Führungsspielern versteckt.

Wann würden Sie denn eine Saison als erfolgreich bewertet?

Die Abteilungsleitung hat das Ziel ausgegeben, vorne mitspielen zu wollen. Daran hat sich durch die drei Niederlagen auch nichts geändert, denn die Zielvorgabe steht ja. Es wird jetzt aber nicht gerade einfach. Und nach diesem Start sollten wir den Ball mal flachhalten und an andere Dinge als den Aufstieg denken. Wenn es gut läuft, rollen wir das Feld von hinten auf.

Das Ziel der Abteilungsleitung ist also der Aufstieg, aber was halten Sie denn für realistisch?

Feststeht, dass der FC Gerolfing über kurz oder lang wieder weiter nach oben gehört. Das ist der Anspruch, der der Vergangenheit dieses Vereins geschuldet ist, aber auch den Erfolgen der Gegenwart. Denn in der Jugendabteilung feiern wir noch immer tolle Erfolge, das Hörgeräte-Langer-Jugendförderkonzept geht total auf: Jedes unserer Jugendteams spielt in der Kreisliga, das ist unglaublich! An dieser Stelle ein riesiges Kompliment an den besten Jugendleiter im ganzen Kreis Donau/Isar Kreis: Andreas Klingshirn. Zusammen mit seinem Trainerteam hat er diese unglaubliche Erfolgsstory geschaffen und dafür gesorgt, dass der FC Gerolfing vor einer großen Zukunft mit tollen Nachwuchsspielern steht. Dieses Konzept braucht aber noch Zeit. Ob wir die Zeit für diese Entwicklung bekommen, weiß ich nicht. Aus meiner Sicht haben wir eine Mannschaft, die in diesem Jahr oben mitspielen kann - aber nur, wenn es von nun an optimal läuft.


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