Veröffentlicht am Montag, 30. Juli 2018

Kreisklasse I: Die Liga ohne Favoriten

Zwei Wochen vor dem Ligastart kristallisiert sich immer mehr heraus: Das Titelrennen ist vollkommen offen!

Die hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen bieten sich perfekt für einen Sprung in den kühlen Weiher an und laden zum Sonnenanbeten an. Denn recht viel mehr kann man bei dieser Hitze auch nicht machen - eigentlich zumindest, denn gerade jetzt müssen die Amateur-Fußballer die Grundlagen für die neue Spielzeit schaffen, sie befinden sich in der härtesten Phase der Saisonvorbereitung. Und so bolzen auch die Kreisklassen-I-Teams in der prallen Sonne Kondition, um zum Saisonstart am 11./12. August topfit zu sein.


<p>Rouven Berman (l.), der eigentlich schon beim FC Gerolfing im Wort stand, möchte mit seinem ST Kraiberg genauso wieder in die Erfolgsspur zurückfinden wie Johannes Altmann mit dem TSV Kösching.</p><b>Können sie an alte Erfolge anknüpfen?</b>

Rouven Berman (l.), der eigentlich schon beim FC Gerolfing im Wort stand, möchte mit seinem ST Kraiberg genauso wieder in die Erfolgsspur zurückfinden wie Johannes Altmann mit dem TSV Kösching.

Können sie an alte Erfolge anknüpfen? (Quelle: Schuhmann Jürgen)

Dabei könnte die Kreisklasse I in diesem Jahr mal wieder richtig ausgeglichen sein. In den vergangenen Spielzeiten hat es stets mindestens eine Mannschaft gegeben, die vorne weg marschiert ist. Das wäre dieses Mal zumindest eine Überraschung, denn den einen Favoriten gibt es nicht - allerdings viele Aufstiegsaspiranten. Fünf der 14 Mannschaften sind neu in der Liga: Die Kreisliga-Absteiger FC Wackerstein-Dünzing und TSV Etting ersetzen die Kreisklassen-Meister TSV Kösching und den SV Kasing, der den Aufstieg über die Relegation gepackt hat, die A-Klassen-Aufsteiger SV Stammham, SV Eitensheim und SV Lippertshofen treten statt der Absteiger FC Arnsberg, FC Irfersdorf und TV 1861 Ingolstadt an.

Als letztjährige Kreisligisten finden sich naturgemäß Wackerstein und Etting in der Favoritenrolle wieder. Mit Andreas Tebbe, Florian Langer (beide SV Dolling), Marcel Fuhrmann, Michael Angermüller, Andreas Bugla (alle TSV Gaimersheim), Hakan Düzgün (FC Grün-Weiß Ingolstadt) und Silvio Smoljic (SV Rockolding) haben die Ettinger jedoch nach dem Abstieg hochkarätige Abgänge verkraften müssen, nachdem bereits im Vorjahr prominente Spieler den Verein verlassen hatten (ua. Fabian Reichenberger und Harry Weller. In Etting steht also ein Neuanfang auf dem Plan und die kommende Spielzeit dürfte vielmehr eine Konsolidierungsphase werden - bestenfalls. Auch die Wackersteiner müssen mit Harald Wagner (TV Vohburg), Martin Kusche (SV Hundszell) und Spielertrainer Daniel Schachtner (unbekannt) drei Stammspieler ersetzen und werden sicherlich keine Angriffsparolen herausposaunen.

Die langjährigen Kreisligisten (beziehungsweise sogar Bezirksligisten) ST Kraiberg und TSV Kösching träumen von besseren Zeiten, können alleine mit ihrer Kaderqualität aber auch nicht von vornherein die Konkurrenz ausstechen. Kraiberg verstärkte sich mit Haudegen Erwin Grenner (VfB Zandt), Christopher Orth und Ermin Alagic (beide FC Gerolfing); mit Markus Braun kehrt ein alter Bekannter als spielender Co-Trainer zum TSV Kösching zurück, er nimmt Daniel Schleicher von seinem Ex-Verein TSV Lenting mit. Kraiberg (36 Punkte) und Kösching (32) haben die abgelaufene Spielzeit auf den Plätzen fünf und sieben abgeschlossen, der TSV holte dabei nur halb so viele Zähler wie Vize-Meister SV Kasing. Stärker einzuschätzen könnten daher der Vorjahres-Dritte SV Denkendorf (50) und die SpVgg Wolfsbuch/Zell (43) sein, die auf Rang vier gelandet ist. Beide Vereine müssen aber erst einmal beweisen, dass sie ihre überraschend starken Leistungen aus der Vorsaison wiederholen können, Favoriten sind auch sie nicht.

Einen Favoriten gibt es dann aber doch - wenn auch vielleicht nur in den eigenen Vorstellungen: den FC Grün-Weiß Ingolstadt. Seit der Winterpause schwingt dort Fatih Topcu, der zuvor beim Türkischen SV Ingolstadt als Abteilungsleiter tätig gewesen war, das Zepter. Topcu hat nun seine ehemaligen Türkisch-Schützlinge Thomas Schreiner (25), David Meier (22) und Alexander Uselmann (24) zu Grün-Weiß geholt. Alle drei gelten als herausragende Einzelspieler, fallen jedoch immer wieder durch Eskapaden und Egoismus auf. Ausgerechnet der berühmt-berüchtigste unter ihnen, Thomas Schreiner, für den die Station bei Grün-Weiß die elfte innerhalb von acht Jahren ist, hat nun das Traineramt bei den Ingolstädtern übernommen. Kurz nach Topcus Ende bei Türkisch hatte Onur Keskin, damals Übungsleiter des Vereins, erklärt, auf die drei Spieler zukünftig freiwillig verzichten zu wollen, weil sie Unruhe in die Mannschaft bringen würden. Nun ist es Schreiners Aufgabe, selbst für Ruhe zu sorgen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Dabei kann er auch auf Adem Ismajli (23), Nico Weber (25, beide zuvor TV 1861 Ingolstadt) und Hakan Düzgün (24), der von Etting zum FC GW Ingolstadt gewechselt ist, bauen.

Das war es dann aber auch mit Mannschaften, die zumindest auf dem Papier das Zeug dazu haben könnten, um den Aufstieg mitzuspielen. Die restlichen Teams peilen zunächst einmal an, eine ruhige Saison zu spielen beziehungsweise einfach nicht abzusteigen, wobei sicherlich wieder das eine oder andere Überraschungsteam die Liga durcheinanderwirbeln könnte. Der Abstiegskampf verspricht jedenfalls, extrem spannend zu werden. Die erfahrenen Kreisklassen-Mannschaften wie Altmannstein, Vorjahres-Zehnter, und Buxheim (Neunter) könnten hier einen Vorteil im Vergleich zu den Aufsteigern Eitensheim, Lippertshofen und Stammham haben, die sich erst (wieder) an das höhere Niveau akklimatisieren müssen. Auch der TSV Mailing-Feldkirchen und der FC Gerolfing II werden es wohl nach zahlreichen und insbesondere schmerzhaften Abgängen schwer haben, dem Abstiegsstrudel zu entgehen.


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