Veröffentlicht am Dienstag, 12. Juni 2018

Flächennutzung: Ein Positiv- und ein Negativbeispiel

Im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag standen das geplante Baugebiet "Steinbuckl" in Etting und der Neubau der Lidl-Filiale in der Goethestraße im Fokus

Dass in Ingolstadt nur noch begrenzt Wohnraum zur Verfügung steht und man daher immer Wert darauf legen sollte, in die Höhe zu bauen, darüber ist man sich im Rathaus längst einig geworden. In den meisten Fällen funktioniert das auch schon ganz gut, doch es gibt immer wieder Fälle, in denen es nicht klappt. Im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag versuchte man nun, neue Lösungen zu erarbeiten, um verschwenderischer Bebauung von Grundstücken vorzubeugen.


(Quelle: Archiv)

Das geplante Baugebiet "Steinbuckl" zeigt, wie es sein sollte, da waren sich die Ausschussmitglieder einig. Der Meinungsaustausch dazu begann demnach auch ungewohnt harmonisch. Johann Achhammer (CSU) eröffnete die Gesprächsrunde mit einer Lobeshymne an die Verwaltung. Der vorliegende Bebauungsplan sei ein Befreiungsschlag. Besonders, dass man dort in die Höhe bauen möchte und dadurch ein solch großer Wohnraum geschaffen werde (etwa 1.000 Menschen sollen dort in 400 Wohneinheiten Platz finden), begrüßte Achhammer. Die SPD, namentlich Manfred Schuhmann, bekundete postwendend ihre Zustimmung.

Doch ganz ohne Diskussion ging das Thema nicht durch. Denn das geplante neue Wohngebiet liegt auf der Wasserschutzzone "Am Augraben". Und das müsse man schützen, so Schuhmann. Er wünschte sich hierzu konkrete Details, wie man den Schutz des Grundwassers garantieren werde. Dafür stecke man noch in einer zu frühen Planungsphase, so Stadtbaurätin Preßlein-Lehle. Sie versicherte den Ausschussmitgliedern, dass die Verwaltung alles nötige tun werde, um den Schutz des Grundwassers zu gewährleisten. "Trauen Sie uns das bitte zu", sagte sie an das Plenum gewandt. Oberbürgermeister Lösel schaltete sich ein und gestand zu, dass der Einwand zwar berechtigt sei, es aber aufgrund der Situation in Ingolstadt - mangelnder Wohnraum bei rasantem Bevölkerungswachstum - unbedingt notwendig sei, mehr Flächen auch an den Siedlungsrändern erschließen.

Trotz der vielseitig geäußerten Bedenken blieb es bei der Abstimmung bei zwei Gegenstimmen, der Rest stimmte für den Antrag.

Einstimmig enttäuscht hingegen zeigten sich die Ausschussmitglieder von der Entscheidung des Bauantragstellers, der die Lidl-Filiale in der Goethestraße neu errichten möchte. Dort soll der bestehende Supermarkt abgerissen und an gleicher Stelle ein neuer errichtet werden. Dieser soll nach Wunsch des Bauherren eingeschossig bleiben. Eine zwei- bis dreigeschossige Bebauung, mit der man das Nachverdichtungspotenzial des Areals nutzen könnte, hatte er in Gesprächen mit der Stadtverwaltung abgelehnt. Baurechtlich kann man nichts dagegen tun, denn "es besteht ein Anspruch auf Genehmigung", wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht.

Doch damit wollten sich die Stadträte nicht zufrieden geben. Man müsse daraus lernen und es beim nächsten Mal anders machen, so Hans Stachel (Freie Wähler). Sein Fraktionskollege Peter Springl warf die Idee in den Raum, dass man doch zukünftig solche Grundstücke nicht einfach verkaufen, sondern das Ganze als Projektvergabe organisieren sollte. Also dass man zuerst die gewünschten Rahmenbedingungen festlegt und dann das Grundstück samt Bedingungen an den Meistbietenden vergibt. Die CSU kündigte daraufhin einen entsprechenden Antrag an, der laut Achhammer im Juli eingebracht werden soll. Lösel schloss sich dem Tenor der Verärgerung an und kündigte weitere Gespräche mit dem Bauherren an. Der Antrag wurde fürs erste zurückgestellt.


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