Veröffentlicht am Freitag, 1. Juni 2018

Cenker Oguz: Spieler geben sich nicht mit Bezirksliga zufrieden!

Der sportliche Leiter des Landesliga-Absteigers SV Manching im Interview über die verkorkste Saison und einen möglichen Wiederaufstieg

Herr Oguz, mit etwas Abstand betrachtet, wie enttäuscht sind Sie über den verpassten Klassenerhalt?

Cenker Oguz (41): Die Enttäuschung ist bei allen sehr groß, weil es mal wieder ein Abstieg war, der sehr unnötig ist und leicht zu vermeiden gewesen wäre. Das lag jetzt nicht an den letzten Partien, sondern es war ein schleichender Prozess. Wir haben schon die Wochen und Monate zuvor immer wieder unnötigerweise Punkte liegen gelassen. Wir hätten das eigentlich relativ einfach abwehren können, was wir letztendlich aus verschiedenen Gründen nicht geschafft haben. Aber das Leben geht weiter. Wir müssen jetzt ein paar Tage vergehen lassen, uns sammeln und dann wieder Motivation schöpfen, um in der neuen Bezirksliga-Saison wieder angreifen zu können.


<p>Seltenes Bild: All zu viel zu feiern hatten die Manchinger Spieler in dieser Saison nicht, am Ende stiegen sie direkt aus der Landesliga ab.</p>

Seltenes Bild: All zu viel zu feiern hatten die Manchinger Spieler in dieser Saison nicht, am Ende stiegen sie direkt aus der Landesliga ab.

(Quelle: Jürgen Meyer (Archiv))

Wie meinen Sie das, der Abstieg wäre leicht vermeidbar gewesen?

Ich denke, es gab wenige sportliche Gründe für den Abstieg. Wir waren nicht schwächer als die Gegner und hatten auch nicht die schlechteren Einzelspieler. Wir haben einfach zu viele individuelle Fehler gemacht - und zwar jeder, nicht nur einzelne. Diese Fehler dürfen in der Landesliga nicht passieren und wurden bei uns immer sofort bestraft. Grundlegend hat also eigentlich alles gepasst. Es waren nur Kleinigkeiten, die nicht gestimmt haben. Diese Nuancen sind aber leider alle gegen uns gelaufen. Mental kann man uns sicherlich in der einen oder anderen Situation fehlende Konzentration oder mangelnden Willen ankreiden.

Aber sind genau diese kleinen Fehler nicht ein Zeichen fehlender sportlicher Qualität?

Nein, eher von mangelnder Cleverness oder auch Erfahrung. Zum Teil haben sich die Jungs zu wenig gegenseitig unterstützt, die Kommandos waren beispielsweise häufig nicht gut. Da hat nach den schlechten Ergebnissen sicherlich auch das Selbstvertrauen eine Rolle gespielt. Ich hatte irgendwann sogar den Eindruck, dass die Jungs Angst davor hatten zu gewinnen. Der Kopf hat eine ganz große Rolle bei dieser Misere gespielt. Die rein sportliche Qualität hatte damit gar nichts zu tun.

Der SV Manching ist in den letzten sechs Jahren dreimal in die Landesliga auf- und sofort wieder in die Bezirksliga abgestiegen, wie können Sie sich das erklären?

Das kann man nur ganz schwer erklären. Wer das kann, der ist allwissend. Wir versuchen, aus den Möglichkeiten, die wir haben, die uns die Region gibt, das Bestmögliche zu machen. Andere Landesliga-Mannschaften haben ein deutlich höheres Budget. Wenn wir das drei- oder vierfache Budget hätten, könnten wir natürlich auch ganz andere Spieler dazu holen, so dass wir den Klassenerhalt auf jeden Fall packen würden. Aber das geht eben nicht. Und deshalb versuchen wir, die besten Jungs aus der Region zu uns zu holen, aber eben zu Konditionen, die uns möglich sind. Die Jungs geben ihr absolut Bestes. Wenn es dann am Ende nicht reicht, ist das halt so.

Also zu gut für die Bezirksliga, aber zu schlecht für die Landesliga?

Pauschal könnte man das natürlich so sagen, und das würden bestimmt auch viele so unterschreiben. Aber ich sehe das anders. Wir hatten definitiv die Klasse, um den Abstieg zu verhindern. Und mal völlig unabhängig davon: Ich schätze unseren Weg als sehr erfolgreich ein. Das, was wir in den letzten zehn Jahren erreicht und auf die Beine gestellt haben, hat hier sonst keiner geschafft. Entscheidend ist für uns im Verein letztendlich ohnehin nur, was wir und die Spieler denken. Wir können uns da wirklich nichts vorwerfen, was aus meiner Sicht das Wichtigste ist.

Mit Cheftrainer Andreas Thomas wurde schon frühzeitig verlängert. Warum haben Sie nicht abgewartet, ob er den Klassenerhalt schafft?

Es gab keinen Grund, noch länger zu warten. Wir und auch die Mannschaft sind mit der Arbeit von Andreas Thomas sehr, sehr zufrieden. Man kann die Gründe für den Abstieg definitiv nicht beim Trainer suchen. Da war die Mannschaft in der Bringschuld. Der Trainer ist ohnehin schon 24 Stunden am Tag in Gedanken beim Fußball, und baut dazwischen noch Familie und Beruf ein. Es gibt in Sachen Trainer keinen einzigen Kritikpunkt, an dem ich ansetzen könnte.

Gerüchten zufolge soll es im Sommer einen Umbruch in Ihrer Mannschaft geben…

Es wird mit Sicherheit drei, vier, fünf Abgänge geben. Auf der anderen Seite werden wir auch ein paar Neuzugänge begrüßen dürfen. Grundsätzlich wollen wir hier eher auf unsere eigene Jugend setzen, aber natürlich wird auch der eine oder andere Externe zu uns kommen. Wobei ich dieses Wort hasse, denn ob der Spieler jetzt einen oder zehn Kilometer weit weg wohnt, ist doch vollkommen egal. Das wird sich aber erst in der kommenden Woche entscheiden.

Der einzige bislang feststehende Abgang heißt Florian Ihring. Warum hat es mit einer Vertragsverlängerung bei ihm nicht geklappt?

Wir wollten gerne mit ihm weitermachen, er hat sich dann aber für Neuburg entschieden, was ja absolut legitim ist. Da ist ihm keiner böse, das ist ganz normal. Flo ist ja außerdem noch jung und kommt vielleicht eines Tages wieder zu uns zurück.

Wie sieht es mit den weiteren Stammspielern aus, beispielsweise mit Marco Witasek, der erst im Winter zu Ihnen gewechselt ist?

Das Skelett der Mannschaft bleibt erhalten, Marco Witasek, Harry Weller oder Daniel Kremer zum Beispiel. Acht bis zehn Stammspieler werden sicherlich bei uns bleiben.

Ab der kommenden Saison sind Sie wieder Co-Trainer der ersten Mannschaft. Was ändert sich hierdurch?

Ich werde dann viel näher an der Mannschaft dran sein, alle Informationen aus erster Hand erfahren. Bislang war ich mit meiner Arbeit bei der zweiten Mannschaft sehr eingebunden, konnte häufig nicht bei den Trainingseinheiten oder bei den Spielen dabei sein. Dadurch ging viel Input verloren und ich musste mich auf Hörensagen verlassen. Nun bekomme ich viel mehr mit und kann Andi bestimmt auch deutlich besser unterstützen, so wie ich es bei Uwe Neunsinger ja auch schon mal gemacht habe.

Als Absteiger wird es für die Mannschaft in der kommenden Spielzeit nur ein Ziel, den sofortigen Wiederaufstieg, geben, oder?

Hierzu muss ich eines ganz deutlich sagen: Die Vereinsführung übt hier keinerlei Druck auf die Jungs aus, wir müssen nicht direkt wieder aufsteigen! Aber natürlich weiß ich auch, dass unsere Jungs so motiviert sein werden, dass der Wiederaufstieg natürlich das Ziel sein wird, keine Frage. Spieler wie Witasek oder Kremer geben sich auf Dauer nicht mit der Bezirksliga zufrieden.


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