Veröffentlicht am Sonntag, 15. April 2018

Aufstieg ade?

Der FC Ingolstadt 04 kommt im Derby gegen den 1. FC Nürnberg nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus

Das vielleicht wichtigste Spiel in dieser Saison stand für den FC Ingolstadt 04 im ausverkauften Audi Sportpark an: das Derby gegen den 1. FC Nürnberg. Die Ingolstädter waren vor der Partie vom vierten auf den siebten Tabellenplatz abgerutscht und mussten gegen den Tabellenzweiten ran. Nach turbulenten ersten Minuten bekamen die Schanzer die Partie zunehmend unter Kontrolle und waren schließlich die spielbestimmende Mannschaft mit den größeren Chancen. Die Besucher sahen eine rasante erste Hälfte, der nur eines fehlte: Tore. Die fielen dann im zweiten Durchgang, zunächst in der 50. Minute durch Robert Leipertz auf Ingolstädter Seite, bevor Zrelak in der 73. Minute für den Club ausglich. Damit verschenkten die Schanzer erneut eine Führung und die Chance, näher an den dritten Tabellenrang heranzukommen. Der Wiederaufstieg in Liga eins dürfte damit kaum mehr zu schaffen sein.


<p>Das Derby zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem 1. FC Nürnberg war bis zur letzten Minute heiß umkämpft - wie hier beim Zweikampf zwischen Stefan Kutschke (l.) und Georg Margreitter</p>

Das Derby zwischen dem FC Ingolstadt 04 und dem 1. FC Nürnberg war bis zur letzten Minute heiß umkämpft - wie hier beim Zweikampf zwischen Stefan Kutschke (l.) und Georg Margreitter

(Quelle: Stefan Bösl)

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Rasante erste Hälfte im Derby zwischen dem FC Ingolstadt und dem Nürnberger Club

Auf zwei Positionen hatte FCI-Coach Stefan Leitl seine Mannschaft umgestellt: Für Alfredo Morales kehrte Christian Träsch nach seiner Gelb-Sperre ins Team zurück, im Sturm vertraute er diesmal Stefan Kutschke statt Moritz Hartmann. Und die Partie begann gleich furios: schon in der zweiten Minute hatten die Gäste die Möglichkeit zur Führung nach einem Gewühl im Strafraum und einem daran abnschließenden Freistoß, doch Nyland konnte klären. Es herrschte Derbystimmung - nicht nur auf den Rängen, sondern auch auf dem Platz. Nach den ersten druckvollen Minuten der Nürnberger fanden die Schanzer besser ins Spiel. Dennoch blieb der Club spielbestimmend, kam aber zunächst zu keinen zwingenden Torchancen mehr. In der 15. Minute hatten die Ingolstädter dann plötzlich die bislang beste Möglichkeit, als Stefan Kutschkes Kopfball nur mit Mühe von Gästekeeper Fabian Bredlow zur Ecke geklärt werden konnte, die dann aber auch nichts einbrachte. Nach einem schönen Konter über Sonny Kittel und Marcel Gaus in der 19. Minute kam Stefan Kutschke im Strafraum zu Fall, Schiri Frank Willenborg sah jedoch keinen Anlass für einen Elfmeter. Die Schanzer erarbeiteten sich jetzt immer wieder gute Möglichkeiten, waren ein Gegner auf Augenhöhe. Es blieb ein hitziges Spiel mit vielen Fouls, so gab es in der 27. Minute die erste Gelbe Karte für den Nürnberger Tim Leibold nach einem Foul an Sonny Kittel. Schritt für Schritt erkämpfte sich der FCI mehr Spielanteile, die Konter-Angriffe der Nürnberger blieben indes ohne Erfolg, die Ingolstädter hatten sich gut auf ihren Gegner eingestellt. In der 33. Minute war es erneut Stefan Kutschke, der nach einer Flanke von Thomas Pledl aufs Tor köpfte, aber der Ball kam nicht druckvoll genug. Der Konter im Gegenzug war auch nicht ungefährlich, aber Tobias Schröck hatte aufgepasst und entschärfte die Situation gegen Mikael Ishak. Die Partie verflachte nun ein bisschen, war nicht mehr ganz so intensiv wie zu Beginn, die Schanzer hatten die Begegnung gut unter Kontrolle - nur ein Tor fehlte noch. 40. Minute: Eckball für die Schanzer, getreten von Robert Leipertz, doch erst Marvin Matip und dann Stefan Kutschke trafen nur den Gegner, den Nachschuss von Toni Pledl konnte der Club zur Ecke klären, die aber nichts einbrachte. Die Ingolstädter konnten dem Spiel nun eindeutig ihren Stempel aufdrücken, aber Tore fielen im ersten Durchgang nicht mehr.

Zwei Tore und Hochspannung bis zum Schluss im zweiten Durchgang

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine. Die erste dicke Möglichkeit gehörte den Gästen in der 48. Minute, aber Schuss der Cluberer verfehlte sein Ziel. Auf der anderen Seite machten es die Schanzer besser: Sonny Kittels Schuss wurde noch geblockt, aber der Nachschuss von Robert Leipertz in der 50. Minute saß: 1:0! doch die Nürnberger drückten und wollten den Ausgleich. Zuerst hatte Marvin Stefaniak die Möglichkeit, sein Schuss wurde jedoch zur Ecke geklärt, die enorm gefährlich wurde - Örjan Nyland musste mit einem Wahnsinns-Reflex eingreifen. Auf der anderen Seite hatte erneut Robert Leipertz eine gute Chance - es ging jetzt mit Tempo hin und her im Bayern-Derby, bei dem sich beide Teams nichts schenkten. In der 63. Minute spielte Christian Träsch nach einer schönen Balleroberung im Mittelfeld Stefan Kutschke frei, der allein aufs Tor zulief, doch Fabian Bredlow konnte klären. Auch nach fälligen Ecke hätten die Schanzer in Führung gehen können, setzten sich jetzt im Nürnberger Strafraum fest. Das 2:0 lag in der Luft! Erster Wechsel dann bei den Gästen: für Marvin Stefaniak kam Tobias Werner in die Partie, anschließend ersetzte in der 70. Minute Adam Zrelak Mikael Ishak. In der 64. Spielminute war es dann passiert: Nach einem Freistoß konnte Örjan Nyland den Ball nur wegfausten, im Nachschuss war es dann der gerade erst ins Spiel gekommene Zrelak, der den 1:1-Ausgleich erzielte. Danach wechselten auch die Schanzer zum ersten Mal: In der 76. Minute kam Dario Lezcano für Thomas Pledl, auf Nürnberger Seite kam für Ondrej Petrak Patrick Erras. Nächster Wechsel auf Schanzer Seite: Für Christian Träsch kam in der 80. Minute Max Christiansen. Es blieb hochspannend, so richtig verdient hatte keines der beiden Teams den Sieg, beide wollten aber die drei Punkte. In der 82. Minute gab es zwei weitere Ecken für die Schanzer, aber erst verpasste Max Christiansen knapp, danach war es Almog Cohen, der seine Chance nicht nutzte. Aber auch die Nürnberger kamen immer wieder vor das Ingolstädter Gehäuse, aber auch hier ergab sich nichts Zählbares. 11:4 Ecken hieß es für die Ingolstädter, aber auch die bis dato letzte führte nicht zum Torerfolg für den FCI. In der 90. Minute gab es nach einem Foul an Stefan Kutschke nochmal Freistoß für die Schanzer, der von Sonny Kittel getreten wurde. Aber Marvin Matip verpasste knapp. So blieb es schließlich beim 1:1-Unentschieden.

Der FC Ingolstadt 04 bleibt somit auf dem 7. Tabellenplatz, zum Aufstiegsrelegationsplatz fehlen nun bereits sieben Zähler, der Vorsprung auf Rang 16 beträgt aber nur noch fünf Punkte.

Stimmen zum Spiel:

Marcel Gaus, FC Ingolstadt 04:

"Hätten wir heute das 2:0 gemacht, wäre das Spiel wohl entschieden gewesen. In den ersten zwei Minuten haben wir geschwommen, das haben wir mit ein bisschen Glück überstanden. Danach haben wir die Partie komplett im Griff gehabt, uns aber wieder nicht belohnt, das zieht sich ein Stück weit durch. Wir müssen das Positive mitnehmen: Wir haben Nürnberg als Tabellenzweiten ganz klar dominiert, so gut wie keine Abschlüsse zugelassen. Wir müssen uns als Mannschaft an die eigene Nase fassen, das einzig Gute ist, dass wir nicht verloren haben. Dem Spielverlauf nach musst du das aber gewinnen. Dahin müssen wir kommen, dass wir den nächsten Step machen. Wir brauchen uns vor den oberen Mannschaften nicht verstecken, brauchen aber auch nichts schön reden. Trotzdem wollen wir aus den letzten Spielen noch die maximale Punktzahl holen. Wir sind weit davon entfernt zu sagen, wir haben mit der Liga nichts mehr zu tun. Es gibt nichts herzuschenken."

Stefan Kutschke, FC Ingolstadt 04:

"Ich bin einfach enttäuscht. Ich hätte mit meiner Chance das 2:0 machen müssen, stattdessen haben wir durch einen dummen Ballverlust einen Freistoß bekommen, der zum Gegentor geführt hat. Wir haben wieder nicht zu Null gespielt. Wir wollten zeigen, dass wir die Mannschaft sind, die Nürnberg zweimal in der Saison schlägt, das ist uns nicht gelungen, deshalb ist das Unentschieden einfach bitter. Dass wir die drei Punkte trotz der Führung wieder nicht mitgenommen haben, kotzt jeden an. Gegen Bielefeld und heute wieder konnten wir nicht zu Null spielen, daher sind wir richtig enttäuscht. Das hat uns zwei Siege gekostet. Der Abstand nach unten ist geringer als nach oben - wenn du oben mitspielen willst, musst du solche Spiele wie heute oder gegen Bielefeld gewinnen."

Robert Leipertz, FC Ingolstadt 04:

"Ich war jetzt mehrmals der Torschütze zum 1:0 oder 2:1 - aber außer gegen Heidenheim hat es trotzdem nie zum Sieg gereicht. Das verfolgt uns in den letzten Spielen. Wir sind zwar weiterhin ungeschlagen, aber wenn man den Einsatz sieht, den wir heute gezeigt haben, haben wir ganz klar zwei Punkte verloren. Vor dem Ausgleich habe ich Tobi Levels unnötig vor Probleme gestellt, daraus resultierte der Freistoß, der zum Tor führte. Darüber rege ich mich mehr auf, als ich mich über den eigenen Treffer freuen kann. Wir wollten heute unbedingt 44 Punkte erreichen, jetzt sind es sieben Punkte nach oben und fünf nach unten. Außerdem haben wir noch Kiel und Düsseldorf vor der Brust. Da muss man realistisch sein und sagen, dass es bei noch vier ausstehenden Spielen sehr eng wird, die sieben Punkte noch aufzuholen. Wir müssen gegen Düsseldorf auf jeden Fall Punkte mitnehmen, um nicht noch nach unten reinzurutschen."

Michael Köllner, Trainer 1. FC Nürnberg:

"Ein intensives turbulentes Derby ist zu Ende. Alle Zuschauer, die im Stadion waren, haben ihr Kommen sicher nicht bereut. Wir sind zufrieden mit dem Punkt. Der Torwart von Ingolstadt hat im gesamten Spiel fantastisch gehalten. Nach unserer guten Anfangsphase hat Ingolstadt das Spiel übernommen, war mit unserem Zweikampfverhalten und unserer Laufstärke nicht zufrieden. In der zweiten Hälfte waren wir besser im Spiel, aber wenn die Ingolstädter das 2:0 gemacht hätten, wäre die Partie wohl vorbei gewesen. Aber meine Mannschaft hat sich dann für ihre Schwerstarbeit gegen ein ballsicheres routiniertes Team mit hoher Entschlossenheit und großem Willen noch mit dem Ausgleich belohnt."

Stefan Leitl, Trainer FC Ingolstadt 04:

"Wir hatten in den Anfangsminuten Glück, dass wir nicht früh in Rückstand gerieten. Wir haben die gut ausgeführten Standards zu Beginn nicht gut verteidigt. Je länger das Spiel gedauert hat, wurden wir die aktivere und bessere Mannschaft und hatten das Geschehen weitgehend unter Kontrolle. Insgesamt war es ein richtig gutes intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und Derbycharakter. DerAusgleich kam dann zu einem Zeitpunkt, wo er durchaus verdient war, da Nürnberg doch einige Chancen hatte. Trotzdem hätten wir die Partie auch noch gewinnen können. Letztendlich leben wir mit dem Punkt, der schlussendlich auch gerecht war. Kein Zuschauer, der heute im Stadion war, geht heute enttäuscht nach Hause. Wir wollen unsere Serie jetzt fortsetzen und fahren nach Düsseldorf, um zu gewinnen. Trotzdem bin ich sehr enttäuscht, weil wir das Spiel selbst hergeschenkt haben. Die Jungs haben sich leider für einen hohen Aufwand nicht belohnt. Das ärgert mich, weil wir heute sehr nah an einem Sieg dran waren. Wir haben noch vier schwere Spiele vor uns und müssen da auf jeden Fall punkten."

Harald Gärtner, Geschäftsführer Sport und Kommunikation:

"Anfangs hatten wir das Quäntchen Glück, aber danach waren wir viel besser im Spiel, haben die Riesen-Chance zum 2:0. Das haben wir nicht gemacht, dann kassierst du halt auch mal so ein Ding. Für mich war das ein Sonntagsschuss. Aber wir hatten durch Almog Cohen nochmal eine gute Möglichkeit, die knapp am Tor vorbei ging. Es war ein rassiges Derby, schön für die Zuschauer - und ein Punkt. Dann fahren wir jetzt mal nach Düsseldorf und gucken weiter."