Veröffentlicht am Donnerstag, 12. April 2018

Altes duftendes Handwerk

Diesmal in der Blickpunkt-Serie "Straßen und ihre Namensgeber": die Lebzeltergasse

An wen oder was soll die Ingolstädter Lebzeltergasse erinnern? Und was hat es mit Lebzeltern auf sich?

Lebzelterei ist ein altes Handwerk und wurde als eigener Begriff für das Backen von Lebkuchen eingeführt. Um die Geschichte dieser Zunft nachzuvollziehen, muss man zunächst ins alte Ägypten reisen - denn bereits hier nahm der Lebkuchen seinen Anfang.


<p><b>Das Straßenschild der Lebzeltergasse in Ingolstadt </b> </p>

Das Straßenschild der Lebzeltergasse in Ingolstadt

(Quelle: Rohner)

Aus dem alten Ägypten

So gab es schon vor mehr als 5 000 Jahren bei den Ägyptern süße Fladen mit Honig und Gewürzen. Zu dieser Zeit hatten sie den Ruf, sie könnten Dämonen vertreiben. Sie dienten als Opferspeise und Grabbeigabe - sozusagen als Wegzehrung für die Toten auf ihrer weiten und anstrengenden Reise ins Jenseits. Konsumiert wurde das süße Gebäck vor allem in Tempeln und Höfen der Pharaonen. Das niedere Volk bekam nichts davon ab.

<p><b>Was muss es hier lecker geduftet haben... </b> </p>

Was muss es hier lecker geduftet haben...

(Quelle: Adobe Stock/la_vanda)

Über Griechenland und das Römische Reich schwappten die Teigfladen dann rüber nach Europa. Im Mittelalter wurden die Honigkuchen vor allem von Mönchen in Klöstern hergestellt und in ihren klösterlichen Apotheken verkauft, da man dem Honig früher heilende Kräfte zuschrieb und auch das Gebäck selbst als gesund, heilend, verdauungsfördernd und appetitanregend galt.

Deshalb durfte es auch während der Fastenzeit ohne Bedenken von jedermann genossen werden.

Ab dem 12. Jahrhundert übernahmen eigene Zünfte die Herstellung. Die Bäcker wurden fortan als Lebküchner oder Lebzelter bezeichnet. Erst einige Jahrhunderte später, im 16. Jahrhundert, wurde die Lebküchnerei zu einem richtigen Gewerbe. Als Zentren galten Aachen, Braunschweig, Pulsnitz/Oberlausitz und Nürnberg.

Mit der Industrialisierung kam es zu einer Wende in der Lebkuchen-Herstellung.

Mit der Erfindung der Dampfmaschine ging die Handarbeit um 1840 in eine industrielle Massenproduktion über. Somit konnten Lebkuchen jetzt in wesentlich größeren Mengen hergestellt werden.

Auch der Erste Weltkrieg setzte der Lebkuchenindustrie dann schwer zu. Ab 1916 wurde die Herstellung von Lebkuchen vollkommen untersagt, da sie als Luxusbackwerk betitelt wurden.

Manche Firmen konnten ihren Betrieb teilweise aufrecht erhalten, indem sie auf die Produktion von Zwieback oder Einheitskeksen umstiegen. Nach Kriegsende und mit Ende der Rationalisierung von Waren konnten die meisten ihren regulären Betrieb wieder aufnehmen.

Allerdings führte der Zweite Weltkrieg wenige Jahre später erneut zu Rückschlägen, da diverse Gebäude vollkommen zerstört wurden. Viele Betriebe mussten daraufhin geschlossen werden oder wurden von den Großen der Lebkuchen-Branche übernommen.

In der DDR war der Pfefferküchler sogar noch bis zum 3. Oktober 1990 ein Handwerksberuf.

Leckerer Duft in Ingolstadt

In Ingolstadt muss es im Laufe der Zeit mindestens zwei Lebzelter gegeben haben (vermutlich eher mehr). So wird im "Verzeichnis der Mitglieder des Polytechnischen Vereins für Bayern von 1816 bis 1822" ein gewisser Johann Michael Berthold als Lebzelter zu Ingolstadt genannt.

Auch in "Bett-Brunn oder Groß-Salvator, das ist der allzeit glorreiche und gewaltige Heil- und Lebens-Brunn St. Salvator..." (1760) wird ein Lebkuchenbäcker aus Ingolstadt genannt: Matthias Weber. Was muss es in dieser Gasse früher geduftet haben!