Veröffentlicht am Dienstag, 13. Februar 2018

Charmante "Wegelagerer"

In mittelalterlicher Pracht führten Ehrenamtliche am Faschingsdienstag den jährlichen Brauch des Pflasterzolls fort

Wer am Dienstag Vormittag das Kreuztor durchqueren wollte, musste erst einmal an den mit Hellebarden bewaffneten Torwächtern vorbei. Gekleidet in historischen Gewändern, baten Ehrenamtliche des Fördervereins Kreuztor die in die Stadt einfahrenden Autofahrer um eine kleine Spende. Der Wegzoll hat in Ingolstadt eine jahrhundertealte Tradition. Früher war er notwendig, um die Kosten für die Instandhaltung der Straßen und Verkehrswege bezahlen zu können. Die Absicht der Ehrenamtlichen ist nicht minder ehrenwert. Mit dem gesammelten Geld werden die immer wieder erforderlichen Sanierungsarbeiten im und am Kreuztor bezahlt.


(Quelle: cg)

Das im Jahr 1385 errichtete Ingolstädter Wahrzeichen ist neben dem Alten Feldkirchner Tor das älteste Stadttor Ingolstadts. Der Förderverein setzt sich dafür ein, vor allem auch die Innenräume des geschichtsträchtigen Gebäudes denkmalgerecht zu sanieren und eine besonderes Ambiente für Besucher zu schaffen. Auch Lesungen, Kunstausstellungen und Feste sollen dort zukünftig stattfinden können, so der Wunsch des Fördervereins.

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Die jährlich stattfindende Reminiszenz an vergangene Zeiten stand in diesem Jahr unter einem guten Stern. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als die Spendensammler durchgängig mit Regen zu kämpfen hatten, war der Himmel dieses mal blau, die Sonne tat ihr Bestes, um die eisigen Temperaturen erträglich zu machen. Nichtsdestotrotz waren die Kostümierten gegen die Kälte gerüstet. Hätte man einen unziemlichen Blick unter den Rock des Burgfräuleins - oder besser gesagt Torfräuleins - geworfen, hätte man dort eine für mittelalterliche Verhältnisse untypische Vorrichtung entdeckt. Ein elektronisches Gerät ragte seitlich aus dem Schuhwerk hervor. "Das ist ein elektrischer Fußwärmer", erklärte Burgfräulein Brigitte Fuchs mit einem verschmitzten Lächeln. "Man muss sich ja vorbereiten."

Die Autofahrer machten den Spaß mit der "Kreuztor Maut" gerne mit. Gegen den Charme der Kostümierten hatte schlechte Laune einfach keine Chance. Mit einem "Alle schönen Männer müssen bei mit eine Maut bezahlen" wurden die männlichen Fahrer von dem charmanten Burgfräulein zum Anhalten gebracht. Zeigten sich die Einfahrenden besonders großzügig, erwärmten die Töne eines mittelalterlichen Horns die kalte Luft. Dann gab es nämlich ein persönliches Ständchen als Dankeschön. Rasch füllte sich die hölzerne Schatztruhe des Fördervereins mit allerlei Münzen und Scheinen. Das Frieren für den guten Zweck hat sich allemal gelohnt.