Veröffentlicht am Sonntag, 11. Februar 2018

"Bin total heiß!"

Kasings Spielertrainer Fabian Reichenberger im Interview mit einer Kampfansage

Herr Reichenberger, Sie überwintern mit dem SV Kasing in der Kreisklasse I auf dem zweiten Platz, der die Relegation bedeuten würde. Überwiegt die Freude hierüber oder ärgert es Sie eher, dass in den Wochen vor der Winterpause der Anschluss zu Tabellenführer TSV Großmehring abgerissen ist? 

Fabian Reichenberger (29): Das Unentschieden gegen Grün-Weiß im letzten Spiel hat mich schon lange Zeit beschäftigt. Das muss ich zugeben. Das waren zwei völlig unnötig hergeschenkte Punkte, denen wir noch nachtrauern könnten. Großmehring hat sich keinen wirklichen Ausrutscher geleistet und wird das wohl auch nicht in der Rückrunde tun. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir auch solche Spiele gewinnen. Ich habe mich also eine Zeit lang geärgert, aber inzwischen bin ich total heiß auf die Restsaison.


<p>Ballgewandt: Der 29-jährige Fabian Reichenberger will den SV Kasing als Spielertrainer in die Kreisliga führen.</p>

Ballgewandt: Der 29-jährige Fabian Reichenberger will den SV Kasing als Spielertrainer in die Kreisliga führen.

(Quelle: Archiv/Patrick Roelen)

Haben Sie die Hoffnung auf den Meistertitel schon aufgegeben? 

Auf keinen Fall. Gleich im ersten Spiel treffen wir auf Großmehring. Da können wir auf zwei Punkte verkürzen. Wir haben es also nicht komplett selbst in der Hand, aber wir können Großmehring schon noch unter Druck setzen und ihnen gefährlich werden. Eines ist aber auch klar: Wenn die Großmehringer das weiterhin so durchziehen, dann haben sie es sich auch verdient, Meister zu werden. Vieles hängt vom direkten Aufeinandertreffen ab. Da müssen wir eigentlich schon gewinnen, denn falls wir verlieren oder der Abstand bei fünf Punkten bleiben sollte, würde es schwierig werden. Wenn wir das Spiel aber gewinnen, ist alles wieder offen.

Sie selbst haben auch eine Großmehringer Vergangenheit, spielten in der Saison 2013/2014 für den TSV. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kollegen? 

Natürlich verliert man sich ein wenig aus den Augen mit der Zeit, weil es ja doch schon ein paar Jährchen her ist. Aber wir schreiben uns immer mal wieder, zum Beispiel zum Geburtstag. Der Kontakt ist also nie wirklich abgerissen, die Jungs sind ja trotzdem noch Freunde von mir. Und natürlich macht man mal den einen oder anderen Scherz wie: "Wartet es nur ab, euch holen wir schon noch ein!" (lacht).

Ihr Team hat gute Offensivwerte und auch nur wenige Gegentore kassiert. Wie können Sie in der Rückrunde dennoch noch mehr Punkte holen? 

Uns fehlt meiner Meinung nach noch ein wenig die nötige Reife. Das zeichnet Großmehring zum Beispiel aus. Der Großteil meiner Mannschaft ist noch sehr jung. Das sind super Spieler, aber manchmal sind wir dann eben doch zu blauäugig. So kassieren wir beispielsweise unnötige Kontergegentore oder sind zu ungeduldig und kriegen das Gegentor, weshalb wir dann einem Rückstand hinterherlaufen müssen. Dabei wissen wir eigentlich, dass wir vorne immer für ein Tor gut sind. Wir haben ja in jedem Spiel einen Treffer erzielt.

Der Vorsprung auf den Tabellendritten SV Denkendorf beträgt fünf Zähler, kann allerdings durch einen Denkendorfer Sieg im Nachholspiel wieder auf zwei Punkte schmelzen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie den Relegationsplatz behaupten können? 

Den SV Denkendorf darf man auf keinen Fall unterschätzen. Er hat bislang auch eine gute Saison gespielt und wie stark die Denkendorfer wirklich sind, mussten wir am eigenen Leib spüren, als wir nach einer 2:0-Führung in Denkendorf noch 2:2 gespielt haben - und das Ergebnis war für uns noch schmeichelhaft. Auf der anderen Seite muss Denkendorf auch noch bei uns ran. Zuhause haben wir noch kein Spiel verloren und erst einmal nicht gewonnen. Ich bin also sehr zuversichtlich, dass wir dieses direkte Duell gewinnen und Denkendorf dann auch auf Abstand halten können.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren persönlichen spielerischen Auftritten? Sie haben bislang vier Tore erzielt und acht Treffer aufgelegt. 

Ich bin selbstkritisch genug, um zuzugeben: da muss mehr von mir kommen! Ich habe mir in der Winterpause viele Gedanken gemacht, wie ich mich als Spieler noch verbessern kann, weil ich eben nicht ganz zufrieden bin. Das soll nicht heißen, dass ich meine eigenen Leistungen schlecht fand. Ich weiß nur: Ich kann es auch noch besser, es ist noch Luft nach oben. Ich war nie der große Torjäger, aber das ist für mich auch nicht entscheidend. Es geht nicht um Statistiken, sondern um den Gesamtauftritt. Aber vielleicht habe ich das erste halbe Jahr in Kasing auch zur Eingewöhnung gebraucht. Ich glaube jedenfalls fest daran, dass es jetzt "volle Kanone" nach vorne geht.

Christian Hartwig, der den SV Kasing als Spielertrainer in die Kreisklasse geführt hat, spielt unter Ihnen wieder regemäßig. Behandeln Sie ihn wie einen normalen Spieler oder hat er aufgrund seiner Vergangenheit eine Ausnahmestellung? 

Der "Hardy" (Hartwigs Spitzname, Anm. d. Red.) ist ein überragender Mensch. Auch ich habe mir am Anfang gedacht, dass das eine komische Konstellation sein könnte. Aber diese Bedenken waren nach zwei Minuten wie weggeblasen. Er verhält sich gegenüber mir und der Mannschaft so loyal, da können Außenstehende oft gar nicht glauben, dass er hier mal Spielertrainer war. Hardy ordnet sich voll unter und bringt sich perfekt ein. So etwas Einmaliges habe ich noch nie erlebt. Er hat schon eine Ausnahmestellung inne, aber eine absolut positive. Er sticht durch sein Engagement und durch sein Auftreten heraus - als Vorbild.

Wie laufen die Gespräche über eine Vertragsverlängerung? 

Die sind relativ schnell abgeschlossen gewesen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir gerne weiter zusammenarbeiten wollen würden. In einem Jahr setzen wir uns dann wieder zusammen.

Ihr Verbleib hängt also nicht vom Aufstieg ab? 

Nein. Es ist zwar klar, dass ich am liebsten im nächsten Jahr in der Kreisliga spielen würde, aber mir ist die Entwicklung der Spieler wichtiger. Lieber steige ich erst in der nächsten Saison auf und alle Spieler haben dann auch das gewünschte Level erreicht, als in diesem Jahr, dann aber "auf Teufel komm raus". Wenn das das Ziel gewesen wäre, hätte man auch den ein oder anderen externen Spieler dazu holen können, aber wir wollen einen anderen Weg gehen und die Kasinger Jungs besser machen. Das soll nicht heißen, dass sie aktuell nicht das Niveau für die Kreisliga haben, aber in einigen Dingen müssen wir uns eben noch verbessern, wenn wir wirklich aufsteigen wollen.

Aber nach zwei knapp verpassten Aufstiegen wäre doch alles andere als der Aufstieg in dieser Saison für alle Beteiligten eine Enttäuschung, oder? 

Klar brennt das ganze Dorf darauf, erstmals in der Kreisliga zu spielen. Das spüre ich auch, wenn ich mich mit Leuten im Sportheim unterhalte. Die wollen unbedingt hoch und haben es sich auch absolut verdient. Aber man kann im Fußball nicht alles planen. Dass Großmehring in diesem Jahr so konstant ist, ist zum Beispiel etwas, auf das wir keinen Einfluss haben. Aber ich verspreche: Wir werden alles für den Aufstieg geben. Wenn es nicht als Meister klappt, dann eben über die Relegation. Dann hätten wir es auch selbst in der Hand. Aufgeben ist also nicht drin, auf keinen Fall! Ich persönlich habe also absolut Bock auf den Aufstieg, aber für den Verein ist es kein Muss, das erleichtert die Aufgabe, denn wir haben keinen Druck.