Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Januar 2018

Trauern und gedenken

Neujahrsempfänge: Wie das Klinikum, die Stadt und die SPD auf Fastenmeiers Tod reagieren

Am 27. Dezember 2017 schied Heribert Fastenmeier freiwillig aus dem Leben. Er war Anfang Oktober 2016 von seinem Posten als Geschäftsführer des Klinikums zurückgetreten, nachdem interne und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen den Verdacht der Untreue ergeben hatten. Die inzwischen vorliegende Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wirft ihm eine Schädigung des Klinikums in Millionenhöhe vor. Eine rechtskräftige Verurteilung kann wegen des Freitodes nicht mehr erfolgen. Bis zu einem Urteil gilt zugunsten eines Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Klinikum gedenkt Heribert Fastenmeier

Das Klinikum veranstaltet seit Jahrzehnten im Januar den traditionellen Neujahrsempfang, an dem auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens teilnehmen. Regelmäßig wird in einer Ansprache auf das vergangene Jahr zurück und das neue Jahr vorausgeblickt und die Situation des Klinikums einer breiteren Öffentlichkeit geschildert. Ob der Empfang wegen des Freitodes von Fastenmeier abzusagen sei, wurde im Aufsichtsrat ausführlich diskutiert. Schließlich einigte man sich, die langfristig geplante Veranstaltung abzuhalten. Auch die Vertretung der mehr als 3000 Arbeitnehmer soll sich dafür eingesetzt haben.


<p>OB Christian Lösel (links) begrüßt beim städtischen Neujahrsempfang 2017 Dieter Seehofer und Jürgen Wittmann (rechts) von der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt. </p>

OB Christian Lösel (links) begrüßt beim städtischen Neujahrsempfang 2017 Dieter Seehofer und Jürgen Wittmann (rechts) von der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt. 

(Quelle: Kajt Kastl)

Abweichend vom üblichen Ablauf wird der Empfang mit einem Gedenken an Heribert Fastenmeier beginnen - gestaltet von der Klinikseelsorge. Während der eigentlichen Veranstaltung werden drei Klavierstücke erklingen, keine permanente Hintergrundmusik. Speisen und Getränke sollen den Gästen, die sich beim Verzehr im gesellschaftlichen Rahmen über das Klinikum austauschen sollen, angeboten werden.

Am 15. Januar, zwei Tage vorher, findet der Neujahrsempfang der Stadt Ingolstadt statt, zu dem Oberbürgermeister Christian Lösel eingeladen hat. Heribert Fastenmeier war nicht Mitarbeiter der Stadt Ingolstadt; die Stadt und der Bezirk Oberbayern sind die Mitglieder des Krankenhauszweckverbandes Ingolstadt, dem wirtschaftlichen Träger des Klinikums. Der Empfang findet im üblichen Rahmen statt. Es ist anzunehmen, dass Lösel in seiner Neujahrsansprache Fastenmeier gedenken wird. Beim Neujahrsempfang der Stadt steht nach dem Defilee regelmäßig die Ansprache des Oberbürgermeisters im Mittelpunkt. Hinterher kommunizieren die in der Regel mehr als 1000 Teilnehmer im Foyer bei Speis und Trank.

Die SPD will nicht "feiern"

Die SPD will den beiden Neujahrsempfängen wegen des Todes von Heribert Fastenmeier fernbleiben. Dies habe sich bei einer Sondersitzung der SPD-Stadtratsfraktion ergeben. Fastenmeier war lange Jahre Mitglied der SPD, trat aber im Jahre 2016 während der gegen ihn laufenden Ermittlungen aus. Um die Partei zu schützen, meinen manche Genossen. Aus Verärgerung, weil sich auch Mitglieder der Partei an der Aufklärung möglicher Straftaten im Zweckverband und Aufsichtsrat beteiligt hätten, sagen andere.

Der Neujahrsempfang der SPD am 22. Januar 2018 war bei der Sondersitzung kein Thema. Mit ihm befasste sich der SPD-Kreisvorstand erst am Mittwoch danach und beschloss, den eigenen Neujahrsempfang durchzuführen. SPD-Fraktionsvorsitzender Achim Werner will laut Facebook nicht daran teilnehmen.


Standort

Ingolstadt, Oberbayern, Bayern, Deutschland