Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Januar 2018

"Riesen-Anteil an Aufholjagd!"

ERC-Topscorer Thomas Greilinger ist vom neuen Coach Doug Shedden überzeugt

200 Tore hat das ERC-Urgestein Thomas Greilinger seit 2008 in 511 Spielen für die Panther erzielt, das ist ein sensationeller Erfolg und einsame Spitze im Verein. Sein Jubiläumstreffer war ein typisches "Greilinger-Tor": Der Stürmer mit der 39 auf dem Trikot umkurvte die Gegner wie Slalomstangen und krönte seinen Solo-Lauf mit dem Siegtor gegen München. Mit seinen 36 Jahren ist der Panther-Topscorer wichtiger denn je für die Ingolstädter - gerade im Endspurt der Saison braucht der ERC Typen wie ihn: erfahren, gradlinig - und mit 26 Scorerpunkten auch noch äußerst erfolgreich. Im Blickpunkt-Interview verrät "Greili", was er vom neuen Trainer Doug Shedden hält und wie er die Chancen für die Panther im Kampf um die Play-off-Plätze sieht.


<p>Top-Scorer Thomas Greilinger in Action</p>

Top-Scorer Thomas Greilinger in Action

(Quelle: Jürgen Meyer)

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Du hast gegen Red Bull München dein 200. DEL-Tor für die Panther erzielt - noch dazu ein Traumtor zum wichtigen Sieg gegen den Tabellenzweiten. War dir dieses Jubiläum bewusst?

Thomas Greilinger: Nein, das wusste ich nicht, das habe ich gar nicht registriert - erst, als es im Stadion durchgesagt wurde. Daran denkt man auch überhaupt nicht. Viel wichtiger war, dass wir das Spiel gewonnen haben. Natürlich ist das ein schönes Jubiläum, aber eigentlich ist es wurscht, wer das Tor schießt, Hauptsache, wir siegen wieder!

Ihr habt in den letzten 7 Spielen 14 Punkte geholt, seid auf Platz 8 der Tabelle geklettert - ist der Knoten jetzt geplatzt?

Ich hoffe es sehr! Wir spielen auch wieder besseres und attraktiveres Eishockey, das honorieren auch die Fans im Stadion, denen das Zuschauen wieder Spaß macht. Sie gehen mit, es ist wieder Lärm in der Halle! Trotzdem müssen wir vorsichtig bleiben. Wir haben zwar nur noch vier Punkte Rückstand auf Platz 5, aber auch nur vier Punkte Vorsprung vor Rang 12. Das ist jetzt in der Tabelle alles wahnsinnig eng beieinander, wir dürfen uns keine Schwächephase mehr erlauben, sondern müssen so weitermachen!

Welchen Anteil hat der neue Trainer Doug Shedden an der erfolgreichen Aufholjagd?

Man sieht ja: Seit er da ist, haben wir immer gepunktet, er hat mit Sicherheit einen Riesen-Anteil daran. Wir spielen nun offensiver, was unserer Mannschaft meiner Meinung nach sowieso besser liegt.

Wie hat er euch das Selbstvertrauen zurückgegeben?

Das kommt durch die Siege. Das Gute war, dass wir - als er das erste Mal hinter der Bande stand - direkt 4:0 gegen Düsseldorf gewonnen haben und auch im nächsten Spiel gegen Augsburg fünf Treffer erzielt haben - da kommt das Selbstvertrauen dann automatisch zurück.

In unserem letzten Gespräch hast du bemängelt, dass ihr zu wenig Tore schießt. Wie du gerade erwähnt hast, sind es jetzt deutlich mehr - ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Mit Sicherheit! Wenn du vier Tore schießt, darfst du drei kassieren - das ist eigentlich eine ganz einfache Rechnung. Aber wir hatten auch Spiele gegen Nürnberg und Wolfsburg, in denen wir nur ein Tor in der regulären Spielzeit geschossen haben, hätten wir da zwei oder drei Treffer erzielt, hätten wir noch mehr Punkte sammeln können. Im Großen und Ganzen können wir aber mit den letzten Begegnungen zufrieden sein, müssen aber weiter scoren. Denn hinten immer nur ein Tor zuzulassen oder auch zu null zu spielen, das wird auf Dauer nicht gut gehen.

Haben die Klärung der Trainerfrage und das Ende der Turbulenzen um den Wechsel von Brandon Buck dazu beigetragen, dass das Team wieder stabiler wurde?

Der Buck-Wechsel war für uns als Mannschaft völlig wurscht. Das haben wir ja gar nicht gewusst. Es wäre völlig falsch, unsere schlechte Leistung in der Vergangenheit auf Brandon Buck zu schieben, das wäre Schwachsinn. Er ist ein super Eishockey-Spieler, der aus irgendwelchen Gründen eben nicht mehr da sein wollte. Aber er hat drei Jahre alles für den ERC gegeben und es wäre unfair, zu behaupten, dass es jetzt wegen seinem Wechsel wieder besser läuft. Im Gegensatz dazu war die Verpflichtung des neuen Trainers ganz sicher der ausschlaggebende Punkt für unsere Leistungssteigerung, denn seitdem spielen wir richtig gut. Jeder hat Respekt vor dem neuen Coach, er bringt gut rüber, was er von uns erwartet - das war ganz sicher der Knackpunkt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Doug Shedden?

Das A und O ist seine Taktik. Wir spielen nun sehr viel offensiver. Das kommt unserem Team sehr entgegen, denn wir haben viele Offensivkräfte, denen diese Spielweise sehr viel Spaß macht. Man merkt auch, dass unsere Stürmer wieder mehr Freude am Spiel haben, wenn sie mehr Scheibenkontakte haben - das passt bisher ganz gut.

Dein Stürmer-Kollege Petr Taticek hat unserer Zeitung gegenüber vor Weihnachten moniert, dass die DEL eine der wenigen Ligen ohne Winterpause ist. Ihr habt jetzt genau in dieser Zeit eure Aufholjagd gestartet - waren eure Gegner müder als ihr?

Nein, das glaube ich nicht. Bei so vielen Spielen ist jeder mal müde - auch wir. Wir haben jetzt einfach besser gespielt als vorher, das war der Grund für unsere Serie. Die Liga ist im Moment auch unheimlich eng, da ist uns auch ein bisschen zugutegekommen, dass die anderen Mannschaften sich gegenseitig die Punkte weggenommen haben. Aber man kann nicht sagen, dass unsere Gegner müder waren als wir. Wir sind auch mal kaputt und müssen trotzdem spielen. Jetzt haben wir noch neun Spiele, dann haben wir eine längere Pause, bis dahin müssen wir noch mal alles reinhauen.

Wie wichtig sind die beiden Spiele am Wochenende gegen die Eisbären aus Berlin und den punktgleichen Tabellennachbarn aus Düsseldorf?

Wir haben bis zum Saisonende noch 12 Partien zu absolvieren - da ist es völlig egal, wer der Gegner ist: Ab jetzt ist jedes Spiel wichtig! Denn im Endeffekt sind derzeit neun oder zehn Mannschaften mehr oder weniger fast punktgleich - da darfst du keinen einzigen Zähler mehr liegenlassen. Ob du nun gegen den Ersten oder gegen den Letzten in der Tabelle spielst oder punktgleich mit dem Gegner bist, spielt keine Rolle. Wir müssen jetzt auf uns selbst schauen - da ist das gegnerische Team völlig wurscht.

Ihr habt noch 12 Spiele bis zu den Play-offs - ist die direkte Teilnahme wieder im Visier?

Ob wir die direkte Teilnahme schaffen, weiß ich nicht, aber wichtig ist, dass wir die Play-offs überhaupt erreichen. Wie wir das hinkriegen, ist mir persönlich scheißegal. Wahrscheinlich sagt der Trainer, er will Sechster werden, aber im Endeffekt zählt ganz einfach nur, dass wir ins Viertelfinale kommen.