Veröffentlicht am Donnerstag, 30. November 2017

Haltet den Dieb

Wie man als Journalist am besten von sich selbst ablenkt

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Klinikums war eine Liste von Namen aufgetaucht, die als "Sponsoringliste" durch die Medien geisterte. Auf der Liste sollen etwa 50 Namen von Personen gestanden sein, die Geschenke vom Klinikum erhalten hätten. Die Staatsanwaltschaft prüfte und stellte fest, dass kein Verstoß gegen ein Strafgesetz vorliegt.


(Quelle: Archiv)

Wie aber berichtet eine Ingolstädter Journalistin darüber? Die Überschrift lautet: "Geschenke an Politiker waren legal". Damit schürt man Neid und hetzt unterschwellig gegen die Politiker. Natürlich, so meinen jetzt manche Bürger, da werden die Politiker mit Geschenken überhäuft, um sie zumindest moralisch, wenn schon nicht juristisch, zu bestechen. Tatsache ist, dass auf der Liste (nur) einige Namen von Politikern standen. Aber Geschenke erhielten sie nicht als Mandatsträger, sondern zum Beispiel für die Abteilung eines Sportvereins und deren Weihnachtsfeier. Der entsprechende Stadtrat war nun eben Abteilungsleiter und hatte persönlich nichts davon.

Hier wieder einmal die Politiker in ein schiefes Licht zu rücken, ist unredlich, zumal wenn die betreffende Journalistin vorweihnachtliche Pressekonferenzen des Klinikums reichlich beschenkt (wie alle Repräsentanten der nahezu vollzählig vertretenen Ingolstädter Medien - auch unser Verlag) verließ. "Haltet den Dieb!" - so lenkt man von sich selbst ab.


Standort

Ingolstadt, Oberbayern, Bayern, Deutschland