Veröffentlicht am Mittwoch, 8. November 2017

Interviewhorror

Warum ein nettes Gespräch böse enden kann

Das Interview ist im Kasten. Wunderbar. Der Gesprächspartner macht einen sehr netten Eindruck, die PR-Abteilung hat sich unauffällig verhalten. Scheint alles gut zu sein. Doch dann kommt der Lieblingssatz jedes Journalisten: "Ich darf den Text vor der Veröffentlichung schon nochmal sehen, oder?" Oft wird bei dieser Aussage nett mit dem Wimpern geklimpert (machen eher die Damen) oder (bei den Herren) ein super charmantes Lächeln aufgesetzt. Der Journalist malt sich sofort aus, dass die Hälfte der Zitate gestrichen, geändert oder umformuliert wird. Und er steigert sich in den Horror hinein, der folgen wird: Ein Werwolf aus der PR-Abteilung des "Interview-Opfers" wird los geschickt, um den Pressevertreter zu zerfleischen. Weil der Promi sich falsch zitiert fühlt, werden Zombies auf den Journalisten angesetzt, die ihn zwingen, den Rest seines Lebens Texte für Bedienungsanleitungen technischer Geräte zu schreiben. Und man droht ihm an, ihn nie wieder zu einer Veranstaltung mit kostenlosem Buffet einzuladen.


(Quelle: Ulli Hoessl)

Puh! Dann doch lieber den Text, brav und nett wie immer, nochmal an den Interviewpartner raus schicken. Tut doch gar nicht weh.