Veröffentlicht am Donnerstag, 2. November 2017

"Müssen geiler sein!"

Lentings Spielertrainer Rauf Yildirim fordert von seiner Mannschaft mehr Tore im Aufstiegsrennen

Die erste Spielzeit unter dem Trainer-Duo Rauf Yildirim/Markus Braun ist beim TSV Lenting inzwischen abgehakt - was bleibt, ist das Ziel aus der Vorsaison: der Aufstieg in die Kreisklasse. Im Interview verrät Yildirim, woran das Team hierfür noch arbeiten muss und warum er nicht mehr als Torjäger in Erscheinung tritt.

Herr Yildirim, nach einer Siegesserie von elf Spielen verlor Ihr Team zuletzt das Spitzenspiel zuhause gegen den SV Stammham mit 0:2 und kam auch am Feiertag nicht über ein 0:0 beim FC Mindelstetten hinaus. Warum konnten Sie Ihren starken Lauf nicht fortsetzen?


<p>Angespannt: Nach elf Siegen in Serie konnte TSV-Lenting-Spielertrainer Rauf Yildirim zuletzt zweimal in Folge nicht gewinnen. </p>

Angespannt: Nach elf Siegen in Serie konnte TSV-Lenting-Spielertrainer Rauf Yildirim zuletzt zweimal in Folge nicht gewinnen. 

(Quelle: Jürgen Schuhmann)

Rauf Yildirim: Relativ einfach: Das lag an den starken Gegnern. Stammham und Mindelstetten sind eigentlich zwei Kreisklassen-Mannschaften, die dort lange gespielt haben und auch wieder hochwollen. Sicherlich schade, dass wir nicht mehr Punkte holen konnten, aber das waren zwei Teams, die man nicht einfach so im Vorbeigehen schlagen kann, weil sie beide einen richtig starken Kader haben.

<p>Nicht zu stoppen: Dank des 2:0-Auswärtssiegs im direkten Duell holten sich die Stammhamer um Johannes Hofmeier (Nr. 16) und Tobias Niefnecker von den Lentinger (hier Arianit Racaj) die Tabellenführung in der A-Klasse I zurück.</p>

Nicht zu stoppen: Dank des 2:0-Auswärtssiegs im direkten Duell holten sich die Stammhamer um Johannes Hofmeier (Nr. 16) und Tobias Niefnecker von den Lentinger (hier Arianit Racaj) die Tabellenführung in der A-Klasse I zurück.

(Quelle: Jürgen Schuhmann)

Die Hälfte der Partien ist nun gespielt, wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Wenn man nach 13 Spielen elf Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage auf dem Konto hat, muss man zufrieden sein. Von einer solchen Bilanz können andere Mannschaften nur träumen. Wir stehen auf dem zweiten Platz, mit nur drei Punkten Rückstand liegen wir auch noch in Schlagdistanz zu Stammham.

Was muss Ihre Mannschaft noch besser machen? Und wo genau liegen Ihre Stärken?

Uns fehlt im direkten Vergleich mit Stammham und Mindelstetten die individuelle Erfahrung. Die meisten Jungs haben ihr ganzes Leben lang in der A-Klasse gespielt und wurden auch nicht gut ausgebildet. Bei Stammham und Mindelstetten ist das anders. Was das Spielerische angeht, muss ich bemängeln, dass wir oftmals in der Defensive nicht kompakt stehen - vor allem in der Rückwärtsbewegung, weshalb wir viele gefährliche Kontersituationen zulassen. Unsere Stärken liegen klar im spielerischen Bereich. Wir sind technisch stark, müssen den Ball eigentlich nie blind nach vorne hauen, sondern können Gefahrensituationen fast immer über Kombinationen lösen und erarbeiten uns so auch gute Möglichkeiten.

Sie sprechen von fehlender Erfahrung. Mit Ihnen, Ihrem Co-Trainer Markus Braun sowie Giovanni und Giuseppe di Terlizzi stehen jedoch vier Spieler im Kader, die langjährige Erfahrung sogar auf Bezirksebene sammeln konnten…

Das stimmt zwar, man darf bei uns aber nicht vergessen, dass wir allmählich in die Jahre kommen. In der Klasse brauchst du Leute, die viel und schnell laufen können. Das sind einfach nicht mehr unsere Stärken. Nur durch Erfahrung kann man aber selbst in der A-Klasse nichts mehr gewinnen. Wir können die Spiele also nicht alleine entscheiden und sind auf unsere jüngeren und fitteren Mitspieler angewiesen. Das ist bei anderen Mannschaften ja dasselbe, auch die haben einige erfahrene Spieler, die schon höherklassig gespielt haben, und dann eben eher unerfahrene, junge Spieler.

Die lediglich zehn kassierten Treffer sind der zweitbeste Wert der Liga, die 37 erzielten Tore sind hingegen nur Durchschnitt, Spitzenreiter Stammham zum Beispiel hat starke 65 Mal getroffen. Muss Ihr Team da noch zulegen?

Auf jeden Fall. Wenn man sich die Stammhamer anguckt, dann fällt auf, dass sie auch nach dem 8:0 Tore schießen wollen. Uns hingegen reicht es offensichtlich, wenn wir 1:0 oder 2:0 vorne liegen. Dann fangen wir an zu zaubern und vergessen das Toreschießen. Unser Offensivspiel muss da viel klarer und zielstrebiger werden. Außerdem müssen wir geiler darauf sein, weitere Tore nachzulegen.

Die Stammhamer sind noch ungeschlagen, sind sie überhaupt noch einzuholen oder liegt das Hauptaugenmerk nun darauf, den zweiten Rang vor Mindelstetten, die nur zwei Punkte weniger einfuhren, zu behaupten?

Natürlich ist es bitter, wenn man bis zum elften Spieltag Tabellenführer war und dann auf den zweiten Platz abrutscht, aber das ist nicht weiter schlimm. Unser Saisonziel war und ist es immer noch, Erster oder Zweiter zu werden. Stammham ist sehr stark, aber der Rückstand beträgt ja nur drei Punkte, das können wir auf jeden Fall noch aufholen. Wir versuchen also, an Stammham dran zu bleiben. Am Wichtigsten ist jedoch, Mindelstetten nicht auch noch vorbeiziehen zu lassen.

Kann einer der Verfolger, also Dolling, Gelbelsee oder Steinberg, noch in das Aufstiegsrennen eingreifen?

Nein, das denke ich nicht. Es hat sich ja relativ schnell herauskristallisiert, dass Stammham, Mindelstetten und eben wir die Mannschaften sind, die es unter sich ausmachen werden. Alle drei Mannschaften punkten sehr konstant, weshalb wir ja auch schon einen Vorsprung auf die anderen Teams haben. Aber auch klar: Gelbelsee, Dolling und Steinberg werden nicht locker lassen und werden versuchen, uns zu ärgern. Da müssen wir aufpassen.

Bleiben Sie in Lenting, falls es erneut nicht mit dem Aufstieg klappen sollte?

Wir, also Markus Braun und ich, haben uns über die Zukunft bislang noch gar keine Gedanken gemacht. Dafür waren die jüngsten Partien einfach zu wichtig. Wir werden aber sicherlich in der Winterpause mit dem sportlichen Leiter und dem Abteilungsleiter des Vereins Gespräche führen und sehen, ob und wie es weitergeht. Ich habe auf jeden Fall Lust weiterzumachen. Aber, als wir vor eineinhalb Jahren in Lenting anfingen, war das Ziel ganz klar der Aufstieg. Das haben wir letzte Saison nicht erreicht. Wir müssen zugeben, dass wir die A-Klasse unterschätzt haben. Wir dachten, dass wir da locker durchmarschieren. Es gab aber im letzten Jahr und auch in dieser Saison mit Stammham, Mindelstetten, Dolling, Steinberg und Gelbelsee richtig starke Mannschaften, die sich nicht freiwillig geschlagen geben. Dennoch ist es auch in dieser Saison wieder unser Ziel, mit Lenting aufzusteigen. Wenn wir das erneut nicht schaffen sollten, müssten wir uns sicherlich Gedanken machen. Ich könnte mir zwar vorstellen, trotzdem zu bleiben, aber vielleicht möchte die sportliche Leitung in diesem Fall ja mal wieder etwas Neues ausprobieren. Das ist dann vollkommen offen.

Als Spieler sind Sie früher vor allem als Torjäger aufgefallen, heute findet man Sie eher im Defensivbereich wieder, haben Sie das Toreschießen verlernt?

Als Trainer muss ich gucken, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann. Im Sturm habe ich mit Giu einen super Spieler und auf der Zehn mit Meti genauso (Giuseppe di Terlizzi und Metehan Kuscuoglu, Anmerkung der Redaktion). Das waren eigentlich immer meine Positionen, aber es bringt ja nichts, wenn ich auf meinen Platz beharre und dafür gute Spieler draußen lasse oder verschiebe. Also gehe ich lieber ins defensive Mittelfeld oder in die Innenverteidigung, wo wir Probleme haben. Das gefällt mir eigentlich auch ganz gut, denn hier habe ich einen guten Überblick über das Spiel. Außerdem habe ich in meiner Karriere schon so viele Tore geschossen, dass ich da lieber anderen den Vortritt lassen möchte, damit die Jungs noch ein paar Glücksgefühle erleben dürfen (lacht).


Standort

Ingolstadt, Oberbayern, Bayern, Deutschland