Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wohlige Wortwahl

Wie fiese Fakten zum leicht verträglichen Häppchen werden

Das ist die Lösung! Hoch komplizierte Probleme kann man lösen, indem man ihnen einfach einen anderen Namen gibt. Dann sind sie im Prinzip verschwunden, obwohl sie eigentlich noch da sind. Aus einer sehr strengen Obergrenze wird einfach eine Richtgröße. Klingt irgendwie netter. Das sollte man auch auf andere Bereiche übertragen: Statt einer Promille-Grenze beim Autofahren gilt nur noch ein Richtwert. Das hört sich doch viel freundlicher an. Und bei der entsprechenden Promille-Kontrolle kann man dann über die richtige Auslegung und Anwendung der angeblichen Alkoholwert-Obergrenze mit den Beamten vor Ort diskutieren. Die hätten bestimmt ihre wahre Freude daran.


(Quelle: Archiv)

Beim Körpergewicht wäre so eine alternative Wortwahl auch wünschenswert. Gut, das sogenannte "Wohlfühlgewicht" ist als sehr beschönigender Wellness-ich-bin-immer-happy-Ausdruck auch bereits etabliert. Statt des Wortes "Übergewicht" wäre hier ein "Richtwert zur maximalen Ausbreitung der Körperoberfläche" doch ganz hübsch.

Arbeitslose gibt's ja auch schon lange nicht mehr. Das sind jetzt Arbeitssuchende. Und die Arbeitslosenquote könnte man nun "die Menge der frei verfügbaren Jobwilligen" nennen. In der freien Wirtschaft beherrscht man dieses Spielchen ja sowieso schon längst. Da wird nicht geschummelt, sondern optimiert. Die richtige Wortwahl macht die fiesesten Fakten zum leicht verträglichen Häppchen und den Elefanten wieder brav zur Mücke.