Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Oktober 2017

"Man kann auch als junger Spieler eine Führungsrolle übernehmen"

Flügelflitzer Thomas "Toni" Pledl hat sich zum unverzichtbaren Stammspieler gemausert

Thomas "Toni" Pledl ist seit Januar 2015 beim FC Ingolstadt 04 unter Vertrag. Der 23-jährige gebürtige Bischofsmaiser war bis zum Sommer 2017 an den SV Sandhausen ausgeliehen und kam vor Saisonbeginn auf die Schanz zurück. Zunächst unter Ex-Trainer Maik Walpurgis nicht berücksichtigt, holte ihn Stefan Leitl ins Team zurück. Seitdem startet der Youngster richtig durch und ist bei den Fans nicht nur wegen seiner sympathischen Art, sondern auch aufgrund seiner überzeugenden Leistung längst zum Publikumsliebling geworden.

Du hast zuletzt zwei Tore in zwei Spielen geschossen - triffst du jetzt immer?


(Quelle: Stefan Bösl)

Toni Pledl: Ich hoffe es! Ich habe mich natürlich über mein erstes Pflichtspieltor gefreut, aber im Testspiel zu treffen, war auch toll. Ich hoffe, ich kann am Wochenende daran anknüpfen und wieder eines machen, das wäre schön. Wichtiger ist aber ein Sieg. Wenn wir gewinnen, ohne dass ich ein Tor erziele, bin ich auch zufrieden.

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Seit dem Trainerwechsel habt ihr 10 Punkte aus 6 Spielen geholt, steht jetzt auf Platz 12 der Tabelle - wie ist das zu bewerten? Habt ihr das Schlimmste schon geschafft?

Nein, wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Zwar sind wir auf einem guten Weg, was man auch an der Art, wie wir Fußball spielen, und den Leistungen, die wir abrufen, sieht. Dennoch gibt es auch Spiele wie gegen Bochum, wo wir nicht das gezeigt haben, was wir uns vorgenommen hatten. Daran müssen wir noch arbeiten. Wir müssen in jedem Spiel unser ganzes Potenzial nutzen, daher liegt schon noch viel Arbeit vor uns.

Du hast definitiv vom Trainerwechsel profitiert, denn seitdem hast du dich zum Stammspieler gemausert: Bist du froh, dass Stefan Leitl jetzt Trainer ist?

Ich freue mich, dass ich jetzt meine Chance bekommen und auch genutzt habe. Was davor war, kann ich nicht mehr ändern und das ist jetzt auch abgehakt. Ich bin einfach nur froh, dass sich meine Situation so positiv entwickelt hat.

Du hast unter Stefan Leitl schon bei der U23 für den FCI gespielt - hattest du gehofft, dass du wieder zum Zug kommst, wenn er Trainer wird?

Klar wünscht man sich bei jedem Trainerwechsel, dass man davon profitieren kann. So habe auch ich gehofft, dass ich wieder zum Spielen komme. Es ist schön, dass es dann auch so funktioniert hat.

Um dich gab es sogar Wechselgerüchte: Wolltest du wirklich gehen?

Ich war mit der ganzen Situation unzufrieden, das gebe ich offen zu. Ich kam aus Sandhausen mit der Ambition zurück, hier zu spielen. Wenn man dann nicht einmal im Kader steht oder nicht zum Einsatz kommt, kann man nicht zufrieden sein. Es gab auch tatsächlich Gespräche, aber im Nachhinein kann ich nur sagen: Gut, dass es mit einem Wechsel nicht geklappt hat.

Wie habt ihr die Länderspielpause genutzt?

Wir haben Gas gegeben, hart trainiert und weiter an unserem Weg gearbeitet. Wir hatten ein gutes Testspiel gegen Unterhaching und haben die Pause optimal genutzt.

Wir wollen drei Punkte aus Dresden mitnehmen!

Im nächsten Spiel geht es auswärts gegen Dresden, die 2 Plätze und 2 Punkte vor euch stehen: Was habt ihr euch vorgenommen?

Selbstverständlich wollen wir gewinnen! Wir wollen unser Bestmögliches geben, 100 Prozent Leistung abrufen und drei Punkte aus Dresden mitnehmen.

In der 2. Pokalrunde müsst ihr gegen Fürth antreten, wo du auch schon gespielt hast: Ist das für dich was Besonderes oder schon zu lange her?

Eigentlich ist es ein Spiel wie jedes andere, denn es ist schon ein paar Jährchen her, dass ich da gespielt habe. Daher ist es eine "normale" Begegnung mit dem schönen Nebeneffekt, ein paar alte Bekannte zu treffen.

Ist der Pokal generell für euch auch wichtig oder zählt erst einmal nur die Liga?

Die Liga steht natürlich im Vordergrund, aber wir wollen auch unsere Pokalspiele gewinnen und so weit wie möglich kommen.

Zusammen mit Sonny Kittel bist du meistens für Freistöße und Ecken zuständig. Diese Standards waren in der Bundesliga eine große Stärke der Schanzer: Entwickelt sich hier gerade "Suttner und Groß 2.0"?

Naja, so können wir uns noch nicht nennen (lacht). Wir sind für die Standards eingeteilt und können sie beide sehr gut schießen und wechseln uns da auch ab. Wer sich gerade besser fühlt oder näher am Ball ist, übernimmt das dann. Ich hoffe, dass wir aus den Situationen auch bald noch ein paar Tore erzielen können.

Generell werden Sonny und du oft auf facebook von den Usern zum besten Spieler gewählt und auch von den Medien als Leistungsträger bezeichnet - könnt ihr, obwohl ihr noch junge Spieler seid, trotzdem eine Führungsrolle in der Mannschaft übernehmen?

Ja, klar, man kann zu jeder Zeit eine Führungsrolle übernehmen, da spielt das Alter keine Rolle. Das Wichtigste ist, dass man seine Leistung auf dem Platz bringt, danach kann man dann auch eine Führungsrolle im Team übernehmen. Doch vorher muss man alles geben und über seine Grenzen hinausgehen, aber wenn man das immer tut, kann man auch schon als jüngerer Spieler eine Führungsposition innehaben.

Du bist im Sommer vom SV Sandhausen zurückgekommen: Der belegt derzeit den 3. Tabellenplatz - bereust du diesen Schritt im Nachhinein?

Nein, überhaupt nicht. Es war klar, dass ich zurückkommen werde, es gab auch gar keine Diskussion, dass es eine andere Lösung geben könnte. Aber es freut mich für die Jungs und den Trainer des SVS, dass es bei ihnen so gut läuft. Ich habe noch viel Kontakt zu Sandhausen, es war eine schöne Zeit dort. Ich habe die Jungs am Anfang auch ein bisschen vermisst, als ich weggegangen bin, es ist einfach eine coole Truppe, das zeigen sie auch auf dem Platz und stehen daher momentan völlig zurecht auf dem dritten Rang.

Im Hinspiel gegen Sandhausen warst du nicht mal im Kader - hättest du gerne gespielt?

Ja, das hat mich schon sehr geärgert. Als letzte Saison klar war, dass ich wieder nach Ingolstadt zurückgehe, haben sich alle in meinem alten Verein auf das Wiedersehen gefreut - und auch meine Vorfreude auf das Match und darauf, die Mannschaft, aber auch die Leute von der Geschäftsstelle und das ganze Umfeld wiederzusehen, war sehr groß. Es war sehr schade, dass ich diese Chance dann nicht hatte.

Es ist schön, wieder in Bayern zu sein!

Du warst jetzt eineinhalb Jahre im Schwabenland - bist du froh, wieder in Bayern zu sein?

Es ist schön, wieder in Bayern zu sein, da verstehen mich wenigstens die meisten (lacht)!

Gab es in Sandhausen denn Verständigungs-Schwierigkeiten?

Nein, nein. Ich kann zwar richtig bayerisch reden, spreche aber doch halbwegs hochdeutsch. Ich muss mich eher umstellen, wenn ich zu meinen Eltern in die Heimat fahre, da sagen dann alle: Red mal wieder normal! Umgekehrt konnte ich die Leute in Sandhausen ganz gut verstehen, aber z. B. in Mannheim hatte ich bei den älteren Menschen doch einige Schwierigkeiten (lacht).

Du kanntest Ingolstadt ja bereits, weil du 2015 vor deiner Leihe schon für die Schanzer gespielt hast - hat sich was verändert oder hast du dich gleich wieder heimisch gefühlt?

Ich habe mich gleich wieder wohlgefühlt. Ich habe zum Glück noch vor der Saisonvorbereitung eine Wohnung gefunden und konnte direkt umziehen. Es hat sich ja hier nicht viel verändert, es sind ein paar neue Gesichter dazugekommen, aber die meisten habe ich noch gekannt, wie auch das ganze Umfeld. Da habe ich keine Zeit zur Eingewöhnung gebraucht.

Woher kommt eigentlich dein Spitzname "Toni", wo du doch Thomas heißt?

Das ist eine sehr lange alte Geschichte. Um es kurz zu machen: Im Trainingslager mit der D-Jugend in Deggendorf gab es einen Street Soccer Court, wo wir in den Pausen immer gespielt haben. Da haben wir uns gegenseitig neue Namen gegeben - und irgendwann hat mich einer Toni genannt. Dann meinten alle: Toni ist doch cool, und dann ist das so geblieben. Danach gab es in allen Vereinen, zu denen ich gewechselt habe, immer jemanden, der mich schon als Toni gekannt hat. Seitdem bin ich eben der Toni - und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Auf Instagram nennst du dich aber pledinho30 - welchen Hintergrund hat das?

Ich habe den Account schon sehr lange und damals war mein Vorbild Ronaldinho. Daran angelehnt ist der Name dann entstanden. Ich habe ihn seitdem auch nicht mehr geändert.

Was sind dein Tipp für das Dresden-Spiel und dein persönliches Ziel für die Saison?

Ich hoffe, dass wir gewinnen, aber einen genauen Tipp möchte ich nicht abgeben, das ist immer schwer. Mein persönliches Ziel für die Saison ist, viele gute Spiele zu machen, um der Mannschaft möglichst viel helfen zu können. Es dürfen auch noch ein paar Tore und Vorlagen mehr werden. Wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel schauen und so viele Punkte wie möglich holen, dann sehen wir mal, wo wir am Ende stehen werden.