Veröffentlicht am Donnerstag, 7. September 2017

"Wollen den Karren aus dem Dreck ziehen!"

Stefan Hoffmann, Trainer des Kreisliga-Absteigers TSV Großmehring, peilt den direkten Wiederaufstieg an

Vier Spieltage sind erst in der Kreisklasse I gespielt, doch schon jetzt zeichnet sich ab, wer sich an der Tabellenspitze etablieren könnte. Der ungeschlagene Spitzenreiter heißt TSV Großmehring. Als Absteiger gelten die Großmehringer als Topfavorit im Aufstiegsrennen. Ihr Spielertrainer Stefan Hoffmann erklärt im Interview, warum es jetzt viel besser läuft als in der vergangenen Spielzeit und er derzeit so erfolgreich als Torschütze in Erscheinung tritt.


<p>Kraftpaket: Das Spiel von Großmehrings Spielertrainer Stefan Hoffmann (links) lebt vor allem von seiner Physis.</p>

Kraftpaket: Das Spiel von Großmehrings Spielertrainer Stefan Hoffmann (links) lebt vor allem von seiner Physis.

(Quelle: Archiv: Jürgen Meyer)

Herr Hoffmann, Sie stehen mit Ihrem Team seit dem ersten Spieltag an der Spitze der Kreisklassen-Tabelle. Wie gut fühlt sich das nach dem Abstieg in der vergangenen Saison an?

Stefan Hoffmann: Das ist natürlich Balsam für die Seele. Der Abstieg im letzten Jahr war sehr hart. Für uns war es wichtig, dass wir alle Spieler zusammenhalten konnten, so dass wir unser Zusammengehörigkeitsgefühl behalten und mit der gleichen Stärke in die neue Saison starten konnten. Umso schöner ist es jetzt, dass es bislang so gut läuft und wir wieder ganz vorne mit dabei sind.

Wie ist es dem Verein gelungen, trotz des Abstiegs alle Spieler halten zu können?

Da waren eigentlich nicht viele Überredungskünste notwendig, denn wir waren uns einig, dass wir das alle zusammen verbockt haben und den Karren deshalb jetzt wieder gemeinsam aus dem Dreck ziehen wollen. Jeder meiner Spieler hat eine gute Mentalität. Da hatte niemand Abwanderungsgedanken, worüber ich auch sehr froh bin.

War es auch für Sie selbstverständlich weiterzumachen?

Für mich ist das eine Ehrensache. An einen Abschied habe ich nie auch nur einen Gedanken verschwendet. Ich hatte zwar ein, zwei Anfragen, aber mit denen habe ich mich erst gar nicht genauer beschäftigt.

Was lief in der abgelaufenen Spielzeit falsch, warum hat es nicht für den Klassenerhalt gereicht?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt sicherlich mehrere Gründe. Zum einen die Verletztenmisere, die uns ab der Rückrunde heimgesucht hat. Zuvor, also in der Winterpause, haben wir uns nie mit dem Gedanken beschäftigt, noch etwas mit dem Abstieg zu tun zu bekommen. Wir sind dann aber relativ schleppend aus der Winterpause rausgekommen, haben viele Spiele knapp verloren. Dadurch sind wir dann immer tiefer abgerutscht. Und jeder weiß ja: Wenn man mal so weit unten steht, kommt man da auch nicht mehr so einfach raus. Letztendlich muss man auch festhalten, dass wir zu viele Gegentore bekommen haben.

Nun läuft es dafür wieder umso besser. Wo liegt die aktuelle Stärke Ihrer Mannschaft?

Die Mannschaft spielt seit Jahren so zusammen, wodurch wir den Vorteil haben, extrem gut eingespielt zu sein. Es ist natürlich auch logisch, dass es eine Spielklasse tiefer ein bisschen einfacher ist. Außerdem hat die Mannschaft eine überragende Mentalität. Nach den ersten positiven Ergebnissen schweben wir jetzt aktuell auf einer Wolke, die Stimmung ist also super.

Am Wochenende geht es gegen das Sport-Team aus Kraiberg, das ebenfalls als Aufstiegskandidat gilt, zuletzt aber schwächelte. Wie schätzen Sie die Kraiberger ein?

Ich habe vor der Saison Kasing, Kraiberg und Denkendorf als die drei Mitkonkurrenten um den Aufstieg ausgemacht, teilweise spiegelt sich das ja nun auch so in der Tabelle wider. Ich denke, dass diese drei Mannschaften und auch wir bis zum Saisonende um den Aufstieg mitspielen werden, sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden. Da werden Kleinigkeiten entscheidend sein. Auf das Spiel jetzt gegen Kraiberg freue ich mich sehr, denn ich treffe auf einige alte Bekannte aus Gerolfinger Zeiten: Mit Mario Chiaradia und Benjamin Anikin habe ich selbst noch in der Landesliga zusammengespielt und Torsten Holm war unser Trainer. Die Kraiberger sind sehr spielstark, insbesondere in der Offensive, und haben viel Klasse. Aber ich habe sie auch schon ein, zwei Mal beobachtet und ich weiß, wie ich sie knacken kann. Und genau da werden wir am Wochenende auch die Hebel ansetzen.

Sehen Sie Ihr Team als Topfavoriten auf den Aufstieg?

Topfavorit ist ein großes Wort. Fest steht, dass wir Absteiger aus der Kreisliga sind und einen Haufen Erfahrung mitbringen, nachdem wir zwei Jahre am Stück dort gespielt haben. Ich zähle uns zu dem eben genannten Favoritenkreis. Wenn ich mir am Ende des Tages etwas wünschen könnte, wäre es natürlich schon der Meistertitel und der damit verbundene sofortige Wiederaufstieg.

Auch für Sie persönlich läuft es in dieser Saison bislang hervorragend. Mit starken sieben Treffern in vier Spielen haben Sie mehr Tore erzielt als die meisten Vereine der Liga insgesamt und führen die Torjägerliste souverän an. Wie erklären Sie sich Ihren starken Lauf?

Ich fühle mich so fit wie schon lange nicht mehr. In der Vorbereitung habe ich sehr viel für mich alleine gearbeitet. Außerdem hatten wir in der Vorbereitung intensive Trainingseinheiten mit vielen Leuten; da habe ich versucht, auch selbst immer mitzutrainieren. So konnte ich mir meine Fitness und meine Spritzigkeit holen. In den Spielen merkt man auch, dass wir viele Dinge verbessert haben. Wir machen zum Beispiel das Spiel jetzt sehr breit, wodurch mir mehr Platz gegeben wird. Da stehe ich dann auch das ein oder andere Mal goldrichtig und kann verwandeln.

Sie werden Mitte September 34 Jahre alt, sind aber nach wie vor in Topform. Haben Sie überhaupt schon einmal ans Karriereende gedacht?

Nein, und es ist auch so: Wenn ich mal so weit bin, dass ich an mein Karriereende denke, dann muss ich mich wirklich nicht mehr fit fühlen. Und aktuell ist genau das Gegenteil der Fall, ich bin zu hundert Prozent fit und es macht mir auch richtig Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten und am Wochenende mit ihr auf dem Platz zu stehen.