Veröffentlicht am Donnerstag, 7. September 2017

Früher an später denken

Wenn man(n) unwichtig wird, ist das nur schwer zu ertragen

Ja mei. Früher. Da war man(n) noch wer. Man(n) war wichtig, hat den anderen gesagt, was sie tun sollen und jetzt? Zuhause sitzen und sich von der Ehefrau rumkommandieren lassen. Deprimierend. Ja, früher. Da war man(n) außerdem ein echt toller Hecht, dem die Mädels hinterher gelaufen sind. Mit dem Cabrio ist man(n) vorgefahren und konnte sich anschließend aussuchen, mit welchem Babe man(n)... Sie wissen schon. Ach, das waren Zeiten.

Die eigene Wichtigkeit war geradezu spürbar, wenn man(n) einen Raum betreten hat, nicht selten ergaben sich Szenen der Anbetung durch Kollegen/innen, Untergebene oder Fans. Wer einen nicht angebetet hat, der hat einen wenigstens gefürchtet. Im Büro, auf dem Sportplatz oder in der Disco.


(Quelle: Ulli Hoessl)

Und jetzt? Der Rotzlöffel von nebenan, der jeden Morgen auf sein Smartphone starrend auf dem Gehweg daher schlurft, würdigt den großartigen Bewohner des Hauses mit keinem Blick. Unerhört. Weiß er denn nicht, wen er denn da vor sich hat? Nein. Und wenn, wäre es ihm egal.

Früher an später denken. Das könnte eine gute Idee sein. Wenn man mal schlank war, hilft das der zu engen Hose heute ja auch nicht weiter. Man spricht ständig von Riester-Rente und Altersvorsorge. Wer kümmert sich eigentlich um den psychologischen Aspekt bei dem Ganzen? Sich eine Strategie des sinnvollen Hier-und-Jetzt-Daseins zulegen, statt immer nur zu betonen, wie toll man früher mal war. Auch das ist eine Form der Altersvorsorge. Und schont die Nerven der anderen, die sich immer dieses Gelaber über früher anhören müssen.