Veröffentlicht am Donnerstag, 10. August 2017

Bevormund/ohrung

Warum das Synchronisieren von Filmen irgendwie doof ist.

Nein, das geht gar nicht. Da hat man sich gerade an die deutsche Stimme seines Lieblingsschauspielers gewöhnt und dann? Neuer Film, neue Stimme. Wie blöd. Auf einmal klingt der mega-männliche Superheld genauso wie der Schlaffi aus der Vorabendserie. Was natürlich daran liegt, dass der ihn der selbe Sprecher synchronisiert. Anscheinend gibt es in Deutschland ein Synchronsprecherkartell, da sollte die Überwachungsbehörde mal eingreifen! Und es geht noch schlimmer: Das Mädel in der amerikanischen Musicalverfilmung singt recht fröhlich über Liebe und andere Katastrophen, doch der deutsche Text, der auch hübsch gesungen wird, passt einfach nicht zu den Lippenbewegungen der Darstellerin. Nicht auszuhalten. Doch abgesehen von diesen Schönheitsfehlern ist diese deutsche "Synchroneritis" auch eine Bildungskatastrophe. Was bewundert man doch die Skandinavier, die alle so schön englisch sprechen können. Als wären sie damit aufgewachsen. Ja verdammt, das sind sie auch! Da wird eine US-Serie oder eine BBC-Dokumentation im Originalton ausgestrahlt und mit Untertiteln versehen. Das hat mehrere Vorteile: ein paar Brocken Englisch bleiben auch beim hartnäckigsten Bildungsverweigerer oder seinem Erziehungsberechtigten hängen und das Lesen wird gleichzeitig ebenso geübt. Dass dies außerdem für Gehörlose eine gute Möglichkeit wäre, an aktuellen Serien-Hypes teilzuhaben und Diskussionen über selbige mit führen zu können, steht außer Frage. Es ist ein bisschen wie beim Kochen: Wer immer alles mundgerecht serviert bekommt, der hat vielleicht gar keine Lust, es selbst zu lernen. Das gilt auch für internationalen Buchstabensalat.


(Quelle: Hoessl)