Veröffentlicht am Freitag, 7. Juli 2017

"Wir glauben an die Mannschaft!"

Oberhaunstadts Aufstiegs-Trainer Daniel Fries über die Herausforderung Bezirksliga

Fünf Jahre ist es bereits her, dass man letztmals am Weckenweg, wo die Spielstätte des TSV Ober- und Unterhaunstadt liegt, Herren-Fußball auf Bezirksebene gesehen hat. In der vergangenen Spielzeit ist dem Verein aus dem Ingolstädter Norden nun die Rückkehr in die Bezirksliga gelungen - und das mit einer Mannschaft, die fast ausschließlich aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchs besteht. Auch in dieser Wechselperiode haben die Oberhaunstädter bislang auf Spieler-Verpflichtungen verzichtet. Daniel Fries, Trainer der jungen Truppe, erklärt im Interview, warum er dennoch vom Klassenerhalt überzeugt ist.


<p>Abwehrchef: Dominik Obeth (22) ist aus der Oberhaunstädter Defensive nicht mehr wegzudenken.</p>

Abwehrchef: Dominik Obeth (22) ist aus der Oberhaunstädter Defensive nicht mehr wegzudenken.

(Quelle: Archiv)

Herr Fries, nur sieben Wochen nach dem letzten Kreisliga-Spiel starten Sie mit Ihrer Mannschaft am 23. Juli gegen Feldmoching in die Bezirksliga-Spielzeit. Die Bezirksligisten hingegen hatten dann neun Wochen Pause - ein Nachteil für Sie?

<p>Bild aus vergangenen Tagen: Früher ackerte Daniel Fries selbst noch für den TSVO in der Bezirksliga heute ist der 38-Jährige, der inzwischen kürzere Haare, dafür aber einen Bart trägt, Cheftrainer des Aufsteigers.</p>

Bild aus vergangenen Tagen: Früher ackerte Daniel Fries selbst noch für den TSVO in der Bezirksliga heute ist der 38-Jährige, der inzwischen kürzere Haare, dafür aber einen Bart trägt, Cheftrainer des Aufsteigers.

(Quelle: Stefan Bösl / kbumm)

Daniel Fries: Das ist sicherlich ein kleiner Nachteil, ja. Aber wir sind gut in Schuss und können das bestimmt kompensieren. Das darf also kein Alibi für uns sein.

Wie viel Zeit haben Sie Ihren Spielern nach dem letzten Saisonspiel gegeben, bevor Sie zum Vorbereitungsstart gerufen haben?

Wir hatten zwei Wochen Pause, sind also am 20. Juni in die Vorbereitung gestartet.

In den bisherigen Testspielen setzte es eine Niederlage und ein Unentschieden - können Sie den Partien dennoch etwas Positives abgewinnen?

Auf jeden Fall. Das Spiel gegen Kaufering (0:1, Anm. d. Red.) war für uns eine Standortbestimmung. Der Gegner ist - genauso wie wir - in die Bezirksliga aufgestiegen. Man hat hier gesehen, dass in der Bezirksliga ein anderer Wind wehen wird. Dennoch haben wir eigentlich eine gute Partie gemacht. Das Gegentor fiel dann unglücklich in der 90. Minute. So etwas passiert. Zuvor hätten wir das Spiel schon für uns entscheiden können. Der Test ging also völlig in Ordnung, zumal wir viel ausprobiert haben und alle 20 Männer im Einsatz waren. So war es dann auch beim zweiten Spiel gegen Greding (1:1, Anm. d. Red.). Auch hier wäre übrigens mehr drin gewesen. Aber Vorbereitungsspiele sind eben manchmal ein Muster ohne Wert und so bin ich durchaus zufrieden. Ich habe gute Ansätze gesehen.

In den Startaufstellungen waren nur bekannte Namen zu finden, haben Sie denn keine Neuzugänge?

Wir haben mit Kevin Krüger und Alex Thielmann zwei Jugendspieler in die erste Mannschaft hochgezogen, außerdem haben wir womöglich bald unseren ersten externen Neuzugang. Hier müssen wir noch mit dem Verein verhandeln, da ist also noch nichts spruchreif. Aber er ist bei uns auch schon im Training. Ich hoffe, dass wir in circa einer Woche dann Vollzug melden können. Dazu kommt, dass wir keine Abgänge haben, der Kader also geschlossen zusammenbleibt.

Ihre Konkurrenten - vor allem die Münchener - stecken viel Geld in ihre Mannschaften und haben sich in der Sommerpause zum Teil hochkarätig verstärkt. Warum haben Sie darauf verzichtet?

Seit rund 15 Jahren verfolgen wir in Oberhaunstadt die Philosophie, kein Geld zu zahlen und fast ausschließlich auf die eigene Jugend zu setzen. Wenn wir von außen Spieler geholt hätten, würden wir womöglich eigene Talente verbrennen. Diese Gefahr war uns zu groß. Außerdem glauben wir an unsere Mannschaft und den Kader.

Sie denken also, dass der Oberhaunstädter Kader schon Bezirksliga-Niveau hat?

Das Potenzial hierfür ist auf jeden Fall vorhanden. Da gehe ich sogar einen Schritt weiter: Vom Potenzial her traue ich der Mannschaft eine gute Rolle zu. Allerdings ist Potenzial nicht gleich Leistung, denn wir haben eine sehr, sehr junge Mannschaft, weshalb wir sicherlich auch mal Lehrgeld zahlen müssen. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir eine Bezirksliga-Mannschaft haben.

Haben Sie denn gar keine Angst, dass es Ihrem Team wie den letzten drei Kreisliga-Meistern FC Hitzhofen-Oberzell, TSV Baar-Ebenhausen und FC Sandersdorf ergeht, die sang- und klanglos in der Bezirksliga untergegangen sind?

Ohne einem Verein zu nahe treten zu wollen: Wir haben ein anderes System, das beispielsweise nicht von einem Spielertrainer abhängt. Wir sind da also im Vergleich ganz anders aufgestellt, denke ich. Diese Spieler, die nun in der Bezirksliga antreten werden, sind im letzten Jahr Meister in der Kreisliga geworden - und das relativ souverän. Und deshalb stellt sich diese Frage für mich nicht. Sollten wir nicht von einem enormen Verletzungspech heimgesucht werden, habe ich überhaupt keine Angst, dass es uns genauso ergehen wird wie den drei vorherigen Aufsteigern.

Der TSV Oberhaunstadt spielte zwischen 2004 und 2012 - mit Ausnahme einer Saison - immer auf Bezirksebene. Sie selbst liefen in jener Zeit als Spieler für den Verein auf. Wie sehr können diese Erfahrungen nun helfen?

Das selbst mal miterlebt zu haben ist sicherlich kein Nachteil - auch, wenn das schon eine Weile her ist. Ich kann den Jungs erzählen, wie groß der Sprung von der Kreisliga in die Bezirksliga ist. Das kann bestimmt nicht schaden.

Die Bezirksliga gilt in diesem Jahr als sehr ausgeglichen, es gibt nur zwei Aufsteiger. Welche Mannschaften könnten unten rein rutschen?

Ich habe mich schon im letzten Jahr ein wenig mit der Bezirksliga beschäftigt und kenne natürlich noch einige Vereine aus meiner eigenen Zeit als Spieler. Davon kann ich allerdings nur noch wenig profitieren, denn die heutigen Mannschaften haben fast nichts mehr mit denen von vor fünf Jahren zu tun. Ich gehe auch davon aus, dass die Liga sehr ausgeglichen sein wird. Rohrbach ist ein gutes Beispiel, wie schnell man in eine Negativ-Spirale hineinrutschen kann. In der Winterpause lagen sie noch auf Platz vier, in der Rückrunde sind sie dann noch bis auf Platz zehn abgerutscht. Es wird also wichtig sein, dass wir nur auf uns gucken. Die Liga ist zu stark, um mal ein paar Spiele in Folge verlieren zu können. Davon erholt man sich in der Bezirksliga nicht mehr. Um auf die Ausgangfrage zurückzukommen: Ich kann nicht vorhersagen, wer gegen den Abstieg spielen wird. Für uns ist entscheidend, dass wir unsere Aufgaben lösen. Dann müssen wir uns mit diesem Thema vielleicht gar nicht auseinandersetzen. Meine Wunschplatzierung wäre ein einstelliger Tabellenplatz.

Wie realistisch ist dieses Ziel?

Würde ich es für völlig unrealistisch halten, würde ich es nicht aussprechen. Ich bin absolut von meiner Mannschaft und ihrer Entwicklung überzeugt. Ein einstelliger Tabellenplatz bedeutet ja auch schon Platz neun. Rang drei oder etwas in dieser Richtung ist natürlich kein Ziel, das aus unserer Sicht realistisch ist. Aber wir wollen - ganz unabhängig mal von der Platzierung - einfach eine sorgenfreie Saison spielen. Ganz hinbekommen werden wir das wahrscheinlich nicht, aber ich sehe uns schon im gesicherten unteren Mittelfeld. Dieses Ziel können und wollen wir auf jeden Fall erreichen.