Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juni 2017

Keine Begeisterung mehr fürs kühle Nass?

Deutschlandweit gibt es immer mehr Nichtschwimmer. Wie sieht es in Ingolstadt aus?

Mit den steigenden Temperaturen treibt es immer mehr Menschen ins Schwimmbad, aber auch an Flüsse und Seen. Doch nicht immer reichen die Schwimmkünste aus und so mancher gerät in echte Gefahr und bezahlt Leichtsinn oder Unwissenheit sogar mit dem Tod.

Alarmierend sind daher die Zahlen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die aufgrund einer Umfrage veröffentlicht wurden: 537 Menschen ertranken im vergangenen Jahr deutschlandweit, so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Beunruhigend außerdem: Fast 60 Prozent der Grundschüler können nicht sicher schwimmen, sind so natürlich besonders gefährdet, zu ertrinken. Dass sie das Schwimmen dann freiwillig als Erwachsene lernen werden? Wohl eher unwahrscheinlich. Aber wie sieht es in Ingolstadt aus?


<p>Ist Schwimmen nicht mehr so gefragt? Laut DLRG können es 60 Prozent der Grundschüler nicht richtig. <b>Foto: Fotolia</b> </p>

Ist Schwimmen nicht mehr so gefragt? Laut DLRG können es 60 Prozent der Grundschüler nicht richtig. Foto: Fotolia

<p>Alles im Blick: Die Wasserwacht Ingolstadt sichert auch Großveranstaltungen wie den Triathlon.<b> Foto: Wasserwacht</b> </p>

Alles im Blick: Die Wasserwacht Ingolstadt sichert auch Großveranstaltungen wie den Triathlon. Foto: Wasserwacht

Richtig verlässliche Zahlen, wie viele Grundschüler schwimmen oder nicht schwimmen können, gibt es nicht, wie das Schulverwaltungsamt auf Anfrage mitteilte. Zwar wurden Befragungen durchgeführt, aber inwieweit ein Grundschulkind seine Schwimmfähigkeiten tatsächlich einschätzen kann, sei natürlich schwierig. Vielleicht hält es sich bereits für einen geübten Schwimmer, kann aber nicht mehr als ein paar Züge machen? Von Seiten der Stadt aber wird nach wie vor der Schwimmunterricht in Ingolstadt unterstützt und an den Schulen durchgeführt, so dass alle Kinder die Chance haben, Schwimmen zu lernen oder ihre Fähigkeiten zu verbessern. Festhalten könne man aber, dass tendenziell in den sozial schwächeren Stadtteilen weniger Kinder schwimmen könnten als in anderen Stadtteilen. Das treffe auch auf Ingolstadt zu.

Dass in Ingolstadt aber extrem viele Kinder und Erwachsene nicht schwimmen können, das kann Michael Goß, der Kreisvorsitzende der Wasserwacht, nicht beobachten. "Ich lese immer wieder von diesen Zahlen, kann das aber für Ingolstadt nicht bestätigen", sagt er. Vielmehr seien etwa die Kurse, die seine Kollegen anbieten und in denen man Schwimmabzeichen wie das "Seepferdchen" oder ein Jugendschwimmabzeichen machen kann, gut besucht. Letzteres nimmt auch die DLRG als Maßstab für ihre Untersuchung, ob ein Kind sicher schwimmen kann. "Ein hohes Interesse an den Kursen ist weiterhin da", sagt Goß. Er meint, dass auch das brandneue Sportbad noch einmal dazu beigetragen hat, dass die Begeisterung für das kühle Nass gestiegen ist.

"Langweilig" wird es der Ingolstädter Wasserwacht aber trotz vieler Menschen, die schwimmen können, nicht. Weit mehr als 900 Mitglieder zählt sie, davon 80 Aktive und 30 Mitglieder, die einer Schnelleinsatztruppe angehören - die also blitzschnell mit Booten und Tauchausrüstung an den Unglücksort eilen, wenn etwas passiert. Nicht immer ist es aber so dramatisch. Zu den Aufgaben der Wasserwacht gehört beispielsweise auch die Aufsicht am Baggersee. Vor allem an den Wochenenden, vor allem aber am Sonntagnachmittag sind dann die ehrenamtlichen Helfer vor Ort und beobachten das Treiben am und im Wasser aufmerksam. Finden sich genug Freiwillige, dann kommen sie auch schonmal in Gerolfing oder in Irgertsheim zum Einsatz. Ansonsten sichern sie auch Großveranstaltungen wie den Triathlon. Dafür müssen sie natürlich regelmäßig trainieren.

Was Goß aber beobachten kann: "Ich finde, dass der Leichtsinn der Menschen zugenommen hat." Denn dass die Feuerwehr oder seine Kollegen von der Wasserwacht plötzlich ausrücken müssen, weil jemand etwa den Entschluss gefasst hatte, eine Mutprobe zu wagen und von einer Brücke zu springen, kommt durchaus vor. Dabei warnt Goß eindringlich vor solchen Aktionen, da das Wasser dort oft nicht besonders tief sei und man auf Steine aufschlagen und sich lebensgefährlich verletzten oder sogar sterben kann. Auch unter dem Einfluss von Alkohol kann viel passieren, denn dann besteht die Gefahr, dass man seine eigene Kraft überschätzt. Nicht zu unterschätzen - auch für geübte Schwimmer - ist nach wie vor die Strömung in der Donau. Nicht immer Leichtsinn, sondern oftmals Unwissenheit ist es wohl, die zu manchen Badeunfällen bei Asylbewerbern führte, wie Goß meint. Denn auch in der Region hörte man zumindest in den vergangenen zwei Jahren öfters von Flüchtlingen, die in Gewässern untergegangen und manchmal auch ertrunken sind. Wahrscheinlich hätten sie sich an der Beschaffenheit der Seen in ihrer Heimat orientiert, die oftmals flach seien, sagt Goß. "Aber gerade unsere Kiesweiher gehen sofort senkrecht runter und sind sehr tief." Egal ob Jugendlicher oder Senior, Flüchtling oder Ur-Schanzer: Um Schwimmen zu lernen, ist man nie zu alt, findet Michael Goß. Denn das sei nicht nur im Ernstfall lebensrettend, sondern auch ein wunderbarer Sport, der gelenkschonend ist und den man lange ausüben kann, um fit und gesund zu bleiben.