Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juni 2017

Chance verpasst?

Erfolgversprechendes Konzept des BLSV zur Schwimmförderung an Ingolstädter Grundschulen vor dem Aus

60 % der Grundschüler können nicht richtig schwimmen, 537 Menschen sind im letzten Jahr in Deutschland ertrunken und die Zahl der Nichtschwimmer in der Bundesrepublik steigt. Diese erschreckende Bilanz veröffentlichte die DLRG aktuell vor der gerade beginnenden Badesaison. Auch Georg Niedermeier von der BGI-Fraktion liegt diese Thematik als ehemaligem Lehrer ganz besonders am Herzen.

Die BGI-Fraktion hat bereits im Oktober 2016 einen Antrag auf eine Schwimmoffensive an Ingolstädter Grundschulen gestellt. Was kam dabei heraus und sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?


(Quelle: BGI)

Georg Niedermeier: Der BGI-Antrag lief unter dem Titel "Schwimmoffensive Ingolstadt" und es sollte damit erreicht werden, dass möglichst alle Kinder bis zum Übertritt aus der Grundschule eine umfassende Schwimmkompetenz und Wassersicherheit erwerben. Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf Kinder aus sozial schwächeren Familien und/oder mit Migrationshintergrund gelegt werden. Ein groß angelegtes Konzept! Leider wurde unser Antrag nicht so umgesetzt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich bin zwar froh, dass überhaupt etwas bewegt wurde, kann aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Am Ende kam ein sehr abgespecktes Projekt heraus.

Was wurde konkret von Seiten der Stadt Ingolstadt unternommen?

Niedermeier: In der Kultur- und Schulausschusssitzung im März '17 gab Herr Engert bekannt, dass man sich entschlossen hat, die erprobte Initiative des BLSV an Grundschulen der Stadt auszuweiten. Dort wurde im Schuljahr 2014/15 - neben dem regulären Schwimmunterricht - die Schwimmfähigkeit von 100 Schülern zweimal wöchentlich gezielt gefördert. Diese Grundschulen besitzen eigene Schwimmbäder und die Kurse wurden im Rahmen der Mittagsbetreuung durchgeführt. Eine sehr lobenswerte Initiative des Sportverbandes.

Warum wurde dieses erfolgreiche Konzept nun doch nicht ausgeweitet - woran hakt es?

Niedermeier: Zitat Engert: Einer Ausweitung des Konzeptes an Schulen, an denen die Schwimmfähigkeit relativ schwach ausgeprägt ist, stehe - trotz intensiver Bemühungen des Sportamtsleiters Martin Diepold - der herrschende Übungsleitermangel im Weg. Im BGI-Antrag hatten wir empfohlen, sich der bundesweiten Kampagne "Deutschland schwimmt" des DSV anzuschließen. Prominente Botschafterin dieser Aktion ist die ehemalige Schwimmerin und mehrfache Weltmeisterin Franziska van Almsick und finanziell gefördert wird sie von Disney. Leider hat man diese Möglichkeit nicht genutzt. Auch meiner Anregung zu einem jährlichen Schwimmfest im neuen Sportbad ist man nicht gefolgt. Eine groß beworbene Auftaktveranstaltung hätte dem Projekt gut getan. Aber in Ingolstadt gilt anscheinend die Devise: Lieber kleckern statt klotzen.

Die neuerlich veröffentlichten Zahlen des DLRG sind besorgniserregend - was muss jetzt passieren?

Niedermeier: Unser Antrag forderte eine regelmäßige Berichterstattung, dies ist bis jetzt nicht geschehen. Wie ich vor kurzem vom Kreisvorsitzenden Tobias Nixdorf erfahren habe, will der BLSV das Projekt nicht mehr weiterführen. Das lässt bei mir die Alarmglocken klingeln. Ich halte es deshalb für unbedingt notwendig, dass noch vor den Ferien ein Runder Tisch zu diesem Thema einberufen wird, ein Antrag dazu wird seitens der BGI-Fraktion nächste Woche rausgehen. Alle Beteiligten müssen sich zusammensetzen, um das Projekt am Leben zu halten. Meine Befürchtung ist groß, dass diese wichtige Angelegenheit sonst nicht mehr vorankommt. Das Problem der Übungsleiter muss angepackt werden. Auf meine Anfrage hat sich z. B. Gerhard Budy, der Veranstalter des Ingolstädter Triathlons, spontan bereit erklärt und seine Hilfe angeboten. Auch über die finanzielle Ausstattung muss entschieden werden.Möglicherweise würde die Einrichtung einer Task Force hilfreich sein. Wir von der BGI wären sofort zur Zusammenarbeit bereit.