Veröffentlicht am Freitag, 19. Mai 2017

Geschichtsoffensive kommt an

Historischer Verein begrüßt OB-Initiative - und den freut´s

Der Historische Verein Ingolstadt begrüßt ganz ausdrücklich die Initiative der Stadt Ingolstadt, die vielfältige Schanzer Geschichte auf verschiedenen Ebenen erlebbar und begreifbar zu machen. Das teilt der Verein in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Christian Lösel mit. Darin heißt es:


(Quelle: Stadt Ingolstadt)

Die Öffnung des Feldkirchner Tors, das Projekt der 100 Türme, die Inwertsetzung des Georgianums oder auch die - zumindest virtuelle - Reminiszenz an die Festungsgeschichte. Damit bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, der Herzogsstadt, der Universitätsstadt, der Festungs- und Militärstadt aber auch der modernen Industriestadt gerecht zu werden. Unser großes geschichtliches Erbe ist ein Geschenk - aber auch ein Auftrag an die Politik, dieser Aufgabe verantwortungsvoll Rechnung zu tragen! Um so wichtiger ist es daher, dass die Stadt jetzt selbst offenbar mit gutem Beispiel vorangeht und sich um die Pflege und den Erhalt der historischen Substanz bemüht. Unsere Stadtgeschichte bedenkenlos ökonomischen Interessen zu opfern und kurzfristigen Profitinteressen unterzuordnen, sollte zukünftig hoffentlich weniger leicht möglich sein. Wiederholt hat der Historische Verein Ingolstadt die Idee vorgetragen, herausragende Identitätsanker unserer Stadtgeschichte als "Dokumente" unter einen besonderen Schutz zu stellen und damit noch stärker im Bewusstsein der Schanzerinnen und Schanzer zu verankern: Die Stadtmauer, das Georgianum, die Festung - sie haben es sicher verdient, besonders gewürdigt zu werden! Denn wir stehen alle in der Verantwortung vor den künftigen Generationen, die uns fragen werden, wie wir mit den gewachsenen Strukturen umgegangen sind.

Der OB zeigte sich erfreut über die positive Reaktion und ließ verlauten:

Der Oberbürgermeister dankt dem Historischen Verein für seine positive Rückmeldung. "Es freut mich sehr, dass meine Initiative zur Aufwertung historischer Gebäude und zur besseren Vermittlung der Geschichte unserer Heimatstadt so große Unterstützung erfährt", so Dr. Christian Lösel. In mehreren Gesprächen zwischen Stadt und Historischem Verein habe man sich intensiv über den Vorschlag des Vereins ausgetauscht, herausragende Identitätsanker der Stadtgeschichte besonders hervorzuheben. "Es gibt", so der Oberbürgermeister, "bereits verschiedenste aktuelle Beispiele, die sich in Planung oder Umsetzung befinden, in denen dieser Idee auch Rechnung getragen wird."  

Auch bei der Sanierung des Georgianums soll die Geschichte des Gebäudes eine besondere Berücksichtigung finden. Dazu hat das Stadtmuseum ein Konzept ausgearbeitet, das die Geschichte der Landesuniversität, der theologischen Fakultät, den Buchdruck und auch die Bier- und Braugeschichte im Georgianum dauerhaft darstellen soll. Gedacht wird sowohl an Tafeln an den Wänden, die wesentliche geschichtliche Ereignisse verzeichnen, als auch an die eine oder andere Vitrine, in der Exponate gezeigt werden. Das Ganze soll so gestaltet sein, dass es der Nutzung des Gebäudes nicht im Wege steht, sondern die Geschichte des Gebäudes präsent hält.  

Ein ähnliches Konzept wird übrigens auch für die Gießereihalle vorbereitet: Auch hier soll, parallel zur musealen Nutzung, dauerhaft die Geschichte des Gebäudes und dessen Funktionen dargestellt werden.   Diese Konzeption geht über den Ansatz hinaus, die Historie im Rahmen von Stadtführungen oder zu besonderen Anlässen (z.B. Tag des offenen Denkmals) erlebbar zu machen. Zwar soll auch dies passieren, vielmehr noch wird die Geschichte mit dem gewählten Konzept tagtäglich für alle Nutzer und Besucher des Gebäudes erfahrbar sein.  

Gemeinsam mit dem Förderverein der Bayerischen Landesfestung wurde bereits vor geraumer Zeit ein Festungsrundgang erarbeitet, der mit Text- und Bildtafeln vor Ort eine dauerhafte Informationsmöglichkeit zum inneren Festungsring bietet; begleitend dazu werden auch regelmäßige Führungen angeboten. Derzeit laufen die Planungen, um diese Beschilderungen auch auf den äußeren Festungsring auszuweiten.  

Ein weiteres Beispiel zur Darstellung der Geschichte im Bereich Landesfestung sind die Bemühungen mit dem geplanten Modell der Eselbastei auf dem Gießereigelände an die seit Jahrhunderten nicht mehr sichtbare Bastion zu erinnern. Auch die moderne digitale Darstellung anhand von Computersimulationen soll diesem Zweck dienen.