Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Mai 2017

Ausgebremst: Gerolfing muss zittern

Hingegen reicht dem SV Manching ein Punkt zum Gewinn der Bezirksliga-Meisterschaft

Endspurt in der Bezirksliga Oberbayern Nord: Nur noch zwei Spieltage liegen vor den Vereinen. An der Tabellenspitze scheint alles geklärt, anders im Tabellenkeller. Hier kämpfen noch drei Mannschaften um die Chance, sich in der Relegation gegen den Abstieg wehren zu dürfen.


<p>Alles unter Kontrolle: Der SV Manching um Daniel Kremer (am Boden) könnte den Wiederaufstieg schon an diesem Wochenende klarmachen.</p>

Alles unter Kontrolle: Der SV Manching um Daniel Kremer (am Boden) könnte den Wiederaufstieg schon an diesem Wochenende klarmachen.

(Quelle: Jürgen Meyer (Archiv))

Der SV Manching steht kurz vor dem dritten Aufstieg in die Landesliga innerhalb der vergangenen fünf Jahre. 2012 und 2015 gelang den Grünhemden dieser Erfolg bereits, nun reicht ihnen ein Zähler, um die Meisterschaft perfekt zu machen. Bereits am vergangenen Wochenende wäre das möglich gewesen, als die Manchinger mit 1:0 über Kammerberg siegten, doch Verfolger TSV Jetzendorf spielte nicht mit und punktete im Derby gegen Rohrbach dreifach (5:3). Die Meisterfeier musste also vertagt werden und soll nun im Anschluss an das Heimspiel gegen den SV Lohhof erfolgen. Dem SVM genügt dabei ein Remis, um nicht mehr von den Jetzendorfern, die aktuell sechs Punkte hinter Manching in der Tabelle auf Rang zwei stehen (und elf vor dem dritten Platz; der Relegationsplatz ist Jetzendorf also nicht mehr zu nehmen), eingeholt werden zu können.

<p>Die Zukunft des Vereins: Cheftrainer Steinberger, Torwarttrainer Dittenhauser, die designierten Abteilungsleiter Mario Gamlien und Gerald Freisinger (oben, v.l.n.r.), sowie die Spieler, deren Verträge verlängert wurden: Ernhofer, Haunschild, Hamm und Huber (unten, v.l.n.r.)</p>

Die Zukunft des Vereins: Cheftrainer Steinberger, Torwarttrainer Dittenhauser, die designierten Abteilungsleiter Mario Gamlien und Gerald Freisinger (oben, v.l.n.r.), sowie die Spieler, deren Verträge verlängert wurden: Ernhofer, Haunschild, Hamm und Huber (unten, v.l.n.r.)

(Quelle: FC Gerolfing)

Im Falle einer Niederlage Manchings und eines gleichzeitigen Siegs der Jetzendorfer beim Tabellenfünften Sulzemoos kommt es am letzten Spieltag aber zum großen Showdown. Dann empfängt der Zweitplatzierte den Spitzenreiter und könnte mit einem Sieg doch noch vorbeiziehen. Und das, obwohl das Torverhältnis klar für Manching spricht. Denn es gilt (zunächst) der direkte Vergleich. Den entschied der TSV in der Hinrunde klar mit 5:2 für sich. Falls der SV Manching also zweimal verlieren und der TSV Jetzendorf zweimal siegen sollte, würden beide Mannschaften die Plätze in der Tabelle tauschen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Manchinger nach einem Jahr Abstinenz wieder in die Landesliga zurückkehren werden. Dort wollen sie dieses Mal länger bleiben als zuletzt. Denn nach den beiden Aufstiegen 2012 und 2015 ging es sofort wieder runter in die Bezirksliga. Damit das nicht wieder passiert, basteln die Manchinger Verantwortlichen schon mit Hochdruck am Kader für die neue Spielzeit.

In diese Planungen ist auch schon Andreas Thomas involviert. Er wird das Traineramt von Interimscoach Thomas Geisler nach Saisonende übernehmen. Der 35-Jährige betreute zuletzt die U17-Mannschaft des FC Ingolstadt 04 in der Bayernliga, ehe er im Februar als Videoanalyst in das Profi-Team des Bundesligisten wechselte - eine Aufgabe, die Thomas, wie zuvor bereits die Trainertätigkeit, hauptberuflich ausübt. Die Manchinger angelten sich also einen echten Fachmann, der beispielsweise bei Hertha BSC Berlin und der deutschen U18-Nationalmannschaft hospitierte, um Erfahrungen zu sammeln. Im Anschluss an seine Spielerlaufbahn, in der Thomas als Stürmer unter anderem für den FC Ingolstadt 04 II und den FC Pipinsried auf Torejagd ging, die er aber aufgrund eines Knorpelschadens im linken Knie frühzeitig beenden musste, trainierte der gelernte Bankkaufmann den TSV Baar-Ebenhausen.

Die Pfaffenhofener Gemeinde, in der Thomas wohnt, ist nur zehn Autominuten von Manching entfernt. Der zukünftige Übungsleiter durfte sich schon über den ersten Transferhammer freuen. Cenker Oguz, Manchings sportlicher Leiter, schaffte es, Marcel Kappelmeier von einem Wechsel zu überzeugen. Der 26-Jährige ist aktuell Spielertrainer beim Kreisligisten BSV Berg im Gau und kickte bereits für die SpVgg Unterhaching in der dritten Liga (sechsmal) und für die Reserve vom TSV 1860 München in der Regionalliga (34 Einsätze). Sowohl Thomas als auch Kappelmeier unterzeichneten im Übrigen Verträge, die ligaunabhängig gelten. Der Aufstieg scheint aber nur noch Formsache zu sein.

Der FC Gerolfing würde sich hingegen wahnsinnig über einen Ligaverbleib freuen. Wie auch die Manchinger stieg der FCG erst im letzten Jahr aus der Landesliga ab. Doch nach einem Komplettumbruch im vergangenen Sommer - 14 Spieler verließen die erste Mannschaft - steht der Verein vor dem nächsten Abstieg. Zwei Spieltage vor der Sommerpause liegen die Gerolfinger (26 Punkte) gerade noch so auf dem 13. Rang, dem ersten Relegationsplatz der Bezirksliga - punktgleich mit dem Tabellenvierzehnten SV Günding. Auch hier entscheidet zunächst der direkte Vergleich, den aber keine Mannschaft für sich entscheiden konnte (zweimal gab es ein torloses Remis). Deshalb kommt es auf die Tordifferenz an, in der Gerolfing (minus 14) knapp besser als Günding (minus 16) abschneidet.

Stand jetzt dürfte der FC Gerolfing also in der Relegation um den Klassenverbleib kämpfen. Der direkte Klassenerhalt ist vom Tisch, denn der Zwölfte SV Lohhof ist bereits vier Punkte entfernt und muss voraussichtlich selbst in die Relegation, da auch der schlechteste Tabellenzwölfte der drei oberbayerischen Bezirksligen in zwei Entscheidungsspielen gegen den Abstieg spielen muss. Das ist aktuell klar Lohhof (30 Punkte), das drei beziehungsweise vier Zähler weniger als der Ost-Bezirksligist TSV Ottobrunn beziehungsweise der SV Herakles, der in der Bezirksliga Oberbayern Süd antritt, holte. Mit Herakles könnte Gerolfing also gar nicht mehr gleichziehen, mit Ottobrunn, das aber das deutlich bessere Torverhältnis (minus zehn) hat, nur noch theoretisch.

Bei den Gerolfingern geht es also an den letzten beiden Spieltagen nur noch darum, den Relegationsplatz zu festigen und in Form zu kommen. Neben Günding mischt auch der ST Scheyern (23) wieder im Kampf um Platz 13 mit. Das haben sich die Ingolstädter selbst zuzuschreiben, denn im direkten Duell siegte der Tabellenvorletzte am vergangenen Wochenende überraschend mit 3:1 - ein herber Rückschlag für Gerolfings Trainer Andreas Steinberger, dem mit dem Derbysieg über Manching noch ein so spektakuläres Debüt als Interimstrainer gelang. Seitdem holte der FC aber nur noch einen Punkt in drei Partien. Steinberger hat also einen Punkteschnitt von 1,0 vorzuweisen - genau wie Vorgänger Jürgen Steib.

Dennoch beförderte der Verein Steinberger nun zum dauerhaften Cheftrainer, sein Vertrag wurde also über die Saison hinaus verlängert. Das gilt auch für die Kontrakte der Eigengewächse und Stammspieler Marco Ernhofer, Philipp Haunschild, Matthias Hamm und Maximilian Huber. Auch mit Den Lovric einigten sich die Verantwortlichen über eine Vertragsverlängerung. Der derzeitige Kapitän steigt gleichzeitig zum spielenden Co-Trainer auf. Wichtig für den akut abstiegsbedrohten Verein: Die Verträge hätten auch im Abstiegsfall Gültigkeit. Steinberger war bereits voll in die Planungen für die kommende Saison eingeweiht, führte die Gespräche mitunter sogar - wie auch die mit potentiellen beziehungsweise bereits feststehenden Neuzugängen.

Nicht mehr dabei war hier der bisherige Abteilungsleiter Harald Steger, der diesen Job vor vier Jahren von Hans Reuther übernahm. Er scheidet zu den kommenden Neuwahlen aus: "Das wird mir zeitlich einfach zu viel. Ich habe eine Familie mit zwei Kindern und auch beruflich habe ich einiges zu tun", verrät Steger, der aber weiterhin im Vorstand des Vereins sitzen wird und hier für den Bereich Fußball verantwortlich ist. Steger wird also nicht mehr das operative Tagesgeschäft leiten, der Chef der Fußballabteilung im eigentlichen Sinne bleibt er aber weiterhin. Sein direkter Nachfolger wird wohl der ehemalige Torhüter der zweiten Mannschaft, Stefan Göppel.

Alles aber nur Randnotizen im alles bestimmenden Thema, dem Abstiegskampf. Am Samstag wartet nun der SV Nord Lerchenau (15 Uhr). Die Gerolfinger sind dabei gewarnt: Lerchenau verlor keines der letzten vier Spiele, gewann sogar drei und arbeitete sich so auf Platz sechs vor. Wirklich leichter wird es am letzten Spieltag aber auch nicht. Da empfängt der FC Gerolfing den starken Aufsteiger FC Moosburg, der aktuell auf Rang acht liegt. Vorteil Gerolfing: Sowohl für Lerchenau als auch für Moosburg geht es um nichts mehr.

Update:

Wie Blickpunkt erfuhr, suspendierte Gerolfings Trainer Andreas Steinberger Faik Tosun (20) und Dennis Volk (21). Die Angreifer sollen mit ihrer Rolle zuletzt unzufrieden gewesen seien und die Stimmung im Team heruntergezogen haben. Unter Vorgänger Jürgen Steib noch Stammspieler, setzte Steinberger nicht mehr auf die Jungspunde, die unter ihm gar nicht mehr zum Einsatz kamen beziehungsweise im Fall Volks nur noch einmal 25 Minuten lang als Einwechselspieler. Mit je vier Toren zählten Tosun und Volk zu den torgefährlichsten Akteuren der Gerolfinger, nun erwiesen sie ihrer Mannschaft aber einen Bärendienst, indem sie sich wichtiger nahmen als den stark abstiegsgefährdeten Verein.